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Dalberg : Die Wechselwirkungen von Valutatbewegung und Außenhhandel
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66 Die Wechselwirkungen von Valutabewegung und Außenhandel

Die Wechselwirkungen von Valutabewegung und

Außenhandel

von Dr. ^ur. und pbil. Dalberg

-MA WW

suiil über die Valutaentwicklung gesprochen wird, so sind die am stärksten beachteten Gesichtspunkte die: Wie denkt das Ausland über die deutsche Mark? Hat Neuyork zuletzt Mark gekauft oder ab­gegeben? Welche Meinung besteht bei der ausländischen Spekulation für die deutsche Valuta? So wesentlich diese Umstände für die aller­nächste Kursentwicklung sein mögen, so sehr treten sie doch auf die Dauer in ihrer Wirkung zurück gegenüber den anderen, die Valutabewegung bestimmenden wirt­schaftlichen Ursachen, die sich aus der Gestaltung des deutschen Außenhandels er­geben. Es verlohnt, sich diese tiefere ursächliche Verknüpfung einmal klarzumachen; nur wer sie übersieht und würdigt, kann in Wahrheit ein halbwegs sachverständiges Urteil über die Valuta abgeben, das über die Beurteilung der Tagesmarktlage des Devisenhändlers hinausgeht. Beide Tatsachenkomplexe Außenhandel und Va­luta steheil zueinander im Verhältnis von Ursache und Wirkring; aber man kann nicht allgemein sagen, welches die Ursache und welches die Wirkung ist; beide sind Ursache und Wirkung zugleich.

Das läßt sich aus einer Betrachtung der Wirtschaftsentwicklung der Nach­kriegszeit leicht erkennen. Nachdem bis Mitte 1919 die deutsche Valuta sich noch nach unseren jetzigen Begriffen verhältnismäßig gut gehalten hatte der Dollar galt Anfang Oktober 1919 noch etwa 20 ^, begann von da ein schnelles Sinken der Mark, das so weit ging, daß Anfang Februar 1920 der Dollar mehr als 100 galt. Die Ursache dieses Sinkens lag zum wesentlichen Teil in der ungünstigen Entwicklung des Außenhandels, dem starken Überwiegen der Einfuhr über die Aus­fuhr. Deutschland war nach fünf Kriegsjahren bis aufs letzte ausgequetscht und im höchsten Maße angewiesen auf Einfuhren beinahe aller Waren. Diese steigenden Einfuhren wollten bezahlt werden. Zur Bezahlung verwandten wir, was an inter­national gültigen Werten noch da war/ aber den Hauptteil konnte nur ein entsprechen­der Erlös der Ausfuhr bringen. Die industrielle Tätigkeit war aber während deS ganzen Jahres 1919 noch eine recht ungeregelte. Immer wiederholte Streiks, Kohlen­mangel, Verkehrsschwierigkeiten sabotierten die Produktion, das Maß der zur Ausfuhr kommenden Waren reichte bei weitem nicht aus, um die Devisenanforderungen der Einfuhr auszugleichen. Aus diesem mangelnden Gleichgewicht auf dem Zahlungs­markt, aus der Mehrnachfrage nach Devisen gegenüber einen: Minderangebot mußte notwendig die starke Steigerung der Devisen folgen, wie wir sie erlebt haben.

In diesem Stadium wurde also die Gestaltung des Außenhandels bestimmend für einen Rückgang der Valuta, wobei allerdings in gleicher Richtung starke Kapital­flucht mitwirkte, die zum Teil in der Form vor sich ging, daß die Erlöse der Aus­fuhr nicht wieder ins Land hereinkamen und zur Bezahlung von Einfuhren zur Ver­fügung standen, sondern draußen blieben. Nun kam die Gegenwirkung : Die sinkende Valuta verbilligte für das Ausland alle deutschen Waren in ungeahntem Maße. Große Aufkäufe des Auslandes setzten ein, die nicht nur das Ergebnis der Pro­duktion, die Warm, sondern vielfach auch die Mittel der Produktion ergriffen.