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Befürchtungen derart ausgesprochen haben, daß sein Personal vielleicht streiken werde, daß man mit einer Nichtabfertigung des betreffenden Zuges rechnen müsse. Da der Herr Reicksverkehrsminister, als er noch Chef des Kriegsamts war, immer sehr gut über sie Stimmung in Arbeiterkreisen unterrichtet war, kann man annehmen, daß er auch diesmal über zuverlässige Informationen verfügte.
Als kürzlich in Flensburg ein neues deutsches Frachtschiff vom Stapel laufen sollte, verweigerten die Arbeiter der dortigen Werft den Dienst, weil der Großadmiral von Tirpitz die Taufe vollziehen sollte. Der Abgeordnete Müller-Franken hat im Reichstage bei der Besprechung des Alliertenultimatums vom 5. März erklärt: „Die Arbeiterkreise in Deutschland empfinden das (nämlich einem deutschen Dampfer den deutschen Namen,Tirpit/ zu geben) als die frechste Provokation."
Daß nach Abbruch der Londoner Verhandlungen deutsche Eisenbahnarbeiter sich geweigert haben, Ententemitglieder auf deutschen Eisenbahnen zu befördern, daß deutsche Kellner sich geweigert haben, Ententemitglieder in deutschen Gast- Höfen zu bedienen, daß — doch genug, denn von alledem hat man nichts gehört. Wie soll es da möglich sein, eine Einheitsfront herzustellen. G.
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H. Herrfahrdt, Das Problem der vcrnfsstimdischcn Vertretung. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart und Berlin, 1921.
Eine fühlbare Lücke unserer staatspolitischen Literatur war es bisher, daß eine Schrift fehlte, die alle die Fragen berufsständischer Entwicklung, die uns heute so vielfältig bewegen, geordnet und geprüft hätte. Herrfahrdt hat sich mit seinem Buche: „Das Problem der berufsständischen Vertretung" (Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart und Berlin, 1921) dieser Arbeit unterzogen. Wie vornweg bemerkt werden darf: in dankenswert klarer und übersichtlicher Form, so daß sein Werk, wenn es auch rein wissenschaftlich^theoretisch ist, für jeden Politiker einen großen praktischen Wert als Hand- und Nachschlagebuch besitzt. Der Verfasser beschränkt sein Thema auf die Zeit von der französischen Revolution bis zur Gegenwart. Er gibt in dem ersten Teil eine geschichtliche Entwicklung des Problems, die sich durch Kürze und Vollständigkeit auszeichnet. Ganz besonders gelungen erscheint der Abschnitt über Vismarck und seine Stellung zum Problem der berufsständischen Vertretung und ebenso die kritische Schilderung der Entwicklung des berufsständischen Gedankens unter dem Einfluß des Rätesystems. Im zweiten Teile gibt der Verfasser einen systematischen Überblick des Problems, in dem die Gründe sür und wider berufsständische Vertretungen und die Form derselben an Hand der vorher geschilderten geschichtlichen Entwicklung besprochen werden. Im dritten, ganz kurzen Teil zieht er praktische Folgerungen sür die Gegenwart. Hier wird man ihm in allem nicht ohne weiteres folgen können.
Der große Wert des Buches liegt im ersten und zweiten Teil,' auf letzteren, den Kernpunkt der ganzen Frage enthaltend, sei hier näher eingegangen:
Herrfahrdt Prüft zunächst die Gründe für die Forderung berufsständischer Vertretungen in Schrifttum und Verfassungsgeschichte. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Hauptpunkt, der für solche Vertretungen geltend gemacht wurde, der Gedanke, „die an Zahl schwachen, führenden Stände (hauptsächlich den Großgrundbesitz und das besitzende und gebildete Bürgertum) gegenüber den breiten Massen besser zur Geltung zu bringen, als es im allgemeinen gleichen Wahlrecht möglich ist". „Die freie Parteiwerbung auf der Grundlage allgemeiner politischer Ideen schien später als ein aussichtsvolleres Mittel für die führenden Gesellschaftsschichten, sich im Parlament zur Geltung zu bringen, als die ständische Gliederung, vor allem wohl, weil man sich vor Hervorkehrung der Standesunterschiede zu scheuen angefangen hatte." In späterer Zeit ist dann eine Einigung über das Stimmenverhältnis der Stände so gut wie unmöglich