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Deutsche Ernährungswirtschaft
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Reichsspiegel

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Preisaussichten den Anreiz erhält, die mit Hilfe ihrer großen Organisationen beschafften, immer noch billigeren Futtermittel in hochwertige menschliche Nahrung umzuwandeln.

Von einer Kritik des augenblicklichen Ernährungsplanes, soweit er von seiten der Ernährungsminister aufgestellt ist, soll abgesehen werden, nur bedarf es zum Schluß des Hinweises, daß wir schon einmal eine unglückliche Erfahrung mit der willkürlichen Durchbrechung der Zwangswirtschaft gemacht haben, als man den Hafer freigab und dann die durch Druschverbot und andere Regierungs­maßnahmen immer höher gesteigerten Haferpreise einenTeil derLandwirte veranlaßten, den Hafer zu verkaufen und das in der Zwangsbewirtschaftung zurückgebliebene Brotgetreide zu verfüttern. Nur bei Ausrechterhaltung wirklich lohnender Getreide- Preise wird es in Zukunft möglich sein, nach Aufgabe der Fleischbewirtschaftung die Einschränkung der Getreideanbaufläche zu gunsten eines übertriebenen Anbaues von Kartoffeln und Futtermitteln zU verhindern. Dem Reichsernährungsminister wird von seiten der Landwirtschaft bis jetzt großes Vertrauen entgegengebracht und die führenden deutschen Landwirte haben heute im Reichswirtschaftsrat die Möglichkeit, eine sachliche Behandlung ihrer Forderungen in enger Fühlungnahme mit den übrigen Wirtschaftskreisen zu erreichen, so daß zu hoffen ist, daß die offizielle deutsche Ernährungswirtschaft in Zukunft nicht wieder in die beliebte Konsumentenpolitik zurückfällt, die sich ihre Maßnahmen von Drohungen und Augenblicksforderungen einzelner Gruppen diktieren ließ.

Reichsspiegel

Der wirtschaftliche Zusammenbruch Deutschlands. Am 23. Juli 1920 hat auf Grund einer Anregung, die die Schriftleitung derGrenzboten" in Verbindung mit dem Herausgeber derEuropäischen Staats- und Wirtschaftszeitung, dem Chefredakteur derDeutschen Allgemeinen Zeitung" und dem Berliner Vertreter der »Kölnischen Zeitung" gab, eine Aussprache zwischen den wirtschaftlichen Sach­verständigen und Vertretern der öffentlichen Meinung stattgefunden. Die Aus­führungen des Herrn Hugo Stinnes waren derartig bedeutsam, daß es, wie bereits in Heft 30 angekündigt, nötig ist, sie im Zusammenhange wiederzugeben, da die Tages­presse naturgemäß nur Bruchstücke geben konnte.

Herr Hugo Stinnes führte aus: ^ ^ . ^ . <

Die letzten Kohlenlieferungen an die Entente in den Monaten Mai-Jum be- liefen sich auf etwa 44 000 Tonnen täglich. Die Förderung war im vorigen ^ahre °ls sich die Kohlmnot mit ganzer Schärfe fühlbar machte, im Ruhrrevier allmählich durch den Zuzug von Bergleuten von 218 000 Tonnen auf 245 000 Tonnen ge­stiegen und wurde dann durch das Merschichtabkommen im Februar auf 285 000 Tonnen täglich gesteigert. Es gab auch kleine Ruckschlage, so z B im März. Das Abkommen von Spa kostet uns täglich 80 000 Tonnen, so daß das­jenige, was Deutschland für seinen eigenen Bedarf bleibt, etwa 205 000 Tonnen beträgt, also rund 13 000 Tonnen niedriger ist als dasjenige, was uns im vorigen ^ahr« zur Verfügung stand. Damals, als wir 213 000 Tonnen verteilen konnten, Zatten wir schon infolge des Kohlenmangels einschließlich der noch nicht Demobili- stetten zwei Millionen Arbeitslose und wenn wir jetzt noch über 10 000 Tonnen weniger verbrauchen können, so muß die Zahl der Arbeitslosen entsprechend steigen.