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Das Land der Mitte
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Das Land der Mitte

eutschland liegt noch immer zwischen England und Frankreich einerseits und Rußland andererseits, nicht nur geographisch, sondern auch politisch. Hinzu hat sich im Südosten die Tschecho-Slowakei gesellt. Sobald wir die Augen nach rechts richten, wird man links grimmig, und sobald wir nach links schielen, droht man von rechts. Es ist eine üble Lage, und doch möchten wir so gern aus dem politischen Chaos, das sich beginnt über Europa auszubreiten, einen Borteil, eine Möglichkeit für unsern Wiederaufbau, unsere innere Erstarkung finden.

Man sieht das Heil von Osten kommen und vergißt, daß unser Heil über­haupt noch nicht gekommen ist. Schillsche Stimmungen sind schön und erhebend, aber wir brauchen jetzt keine Schills, sondern Gneisenaus, und auch ein Feuerkopf wie Blücher hat von 1806 bis 1813 gewartet. Viele im heutigen Deutschland aber, die Zeit und Möglichkeit der Geduld hätten, wollen keine Geduld anerkennen und wollen die Jahre 1806 bis 1813 im Fluge überspringen. Selbst für den, der auf dem Standpunkt steht, daß uns einmal das Heil von Osten kommt und daß wir uns einmal mit dem Osten verbünden müssen, gibt es nichts Törichteres, als jetzt sich mit den Russen zu verbinden oder gar ihnen Söldnerdienste zu leisten. Noch rascher und grauenhafter würde die Enttäuschung für diese Ostler sein, als sie es im letzten Jahrzehnt für die Westler gewesen. Die Rolle Wilsons hat jetzt Lenin übernommen. Er würde uns, sobald wir auf seinen Leim gekrochen sind,. zu seinem Schlachtopfer und Deutschland zum Schlachtfelds machen, auf dem die Entente billige Siege gegen den Bolschewismus erringen könnte. Wenn wir uns mit den Russen jetzt schon verbünden, machen wir denselben Fehler, den das alte Deutschland gemacht hat, als es sich in den schwächsten Staaten seine Verbündeten suchte. Aber was ist nun zu tun? so fragt man. Zwei Möglichkeiten sind gegeben: Einmal, daß die Entente uns auffordert, Landsknechtdienste für sie zu leisten, wie es Simons genannt und abgelehnt hat. Wenn nicht die Entente, sondern Eng­land uns zum Söldner haben wollte, und uns nicht bloß mit eitlen Versprechungen oder so billigen Zusagen, wie der Aufnahme in den Völkerbund, sondern mit Grenzboten III 1920 11