Zur Psychologie des wirklichen und des scheinbaren Mufikverständnisses 137
Die pathetische Note des Beschlusses des französischen Senats habe das Vertrauen der Verbündeten auf die Widerstandskraft Frankreichs neu belebt. Die maßgebenden parlamentarischen Kreise von Paris hielten das Scheitern der Aktion sowohl der Zentralmächte als der Neutralen für sicher, eine Wiederaufnahme derartiger Demarchen vor militärischer Entscheidung 1917 nicht wohl für möglich. Mein Freund hat sich hinsichtlich der Stellung Englands in ähnlichem Sinne geäußert. Nach seinen Darlegungen fühle sich Lloyd George nicht hinreichend sicher. Er könne ein Einlenken nicht riskieren, ehe England nicht zu der von ihm in Aussicht gestellten äußersten Anstrengung ausgeholt habe. Die englische Admiralität rechne zwar jetzt schon mit einer Verschärfung des deutschen Unterseebootkrieges. Sie sei wegen seiner eventuellen Rückschläge auf den Handel und die Lebensmittelzufuhr Englands, sowie auf die Sicherheit der militärischen Transportwege nach Frankreich besorgt. England werde dieses Risiko jedoch auf sich nehmen. Es werde auf dem Festlande um so größere Anstrengungen machen und alle Kräfte einsetzen, um ein Gelingen der kombinierten englisch-französischen Frühjahrsaktion 1917 zu sichern. Der letzte Erfolg Nivelles vor Verdun habe in starkem Maße dazu beigetragen, die Zuversicht der Verbündeten auf den Erfolg der beabsichtigten Aktionen zu erhöhen.
Zur Psychologie des wirklichen und des scheinbaren
Mufikverständnisses
von Dr. R. Hohenemser
er ist musikalisch? Die Beantwortung dieser Frage hat schon viel Kopfzerbrechen verursacht, und Billroth, der berühmte Arzt und zugleich verständnisvolle Freund von I. Brahms und Ed. Hanslick, hat ihr eine besondere psycho-physiologische Studie gewidmet (Wer ist musikalisch, nachgelassene Schrift von
Theodor Billroth, herausgeg. von Ed. Hanslick, Berlin, 189S). Freilich sind, w interessante Einzelheiten er auch bietet, seine Ergebnisse wenig befriedigend und nicht scharf umrissen, und daran hätte sich vermutlich nichts geändert, auch wenn er nicht angesichts des nahen Todes gezwungen gewesen wäre, einen Teil seiner Gedanken nur zu skizzieren. Immerhin kann uns die Schrift zum Anknüpfungspunkt unserer Betrachtungen dienen.
Mit vollstem Recht hebt Billroth hervor, daß, da die Musik, wie sie sich in unserem Kulturkreis ausgebildet hat, aus verschiedenartigen Elementen besteht, erst das Zusammentreffen der Veranlagung für diese verschiedenen Elemente den musikalischen Menschen ausmacht, daß also die musikalische Begabung mehrere Teilbegabungen in sich schließt. Wem z. B. der Sinn selbst