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Die Deutschen in Spa
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Die Deutschen in Spa
Die nachstehenden Ausführungen werden uns von einem neutralen Beobachter zur Verfügung gestellt, der in Spa mit Vertretern aller Verhandlungsmächte in Fühlung stand.
lie Premierminister Englands und Frankreichs haben sich vor ihren Parlamenten der Erfolge gerühmt, die sie in Spa erzielt haben. Der deutsche Außenminister hat mit der berechnenden.Nühe und Ab- gewogenheit, die sein Wesen kennzeichnet, geäußert, daß Spa für > Deutschland keinen Erfolg bedeute. Ein neutraler Beobachte^ der die Kräfteverhältnisse der gegnerischen Parteien unvoreingenommen prüft, wird hierzu manches zu bemerken haben.
Die Lage Deutschlands auf der Konferenz war die vollkommener Vereinsamung. Besiegt, im Jnnem zerwühlt, erschien es allein vor einer geschlossenen Phalanx von Gegnern, deren erbittertster, Frankreich, den Ton angab und der ganzen Technik der Verhandlungen das Gepräge abstoßender Schroffheit zu geben versuchte. Wie nie noch ein besiegtes Volk in der Weltgeschichte, so stand Deutschland vor seinen Siegern. Wehrlos, ohne materielle eigene Quellen, ohne Hilfsmöglichkeit von außen. Der Boden, auf dem es die Verhandlungen zu führen, seine Rechte zu vertreten, um seine Existenz zu kämpfen hatte, war durch die Schranken eines Friedeninstrumentes eingeengt, wie die Geschichte eines von ähnlicher Härte und ähnlichem Raffinement bisher noch nicht gesehen hatte. Gestützt auf diese Kodifikation brutalen Willens, schienen die Sieger alles verlangen und jede Einwendung mit drohender Gebärde zurückweisen zu können. Hierzu kam, daß die Stellung Deutschlands gerade im Hinblick auf einzelne Bestimmungen des Friedensvertrages von Versailles eine formell ziemlich schwache war, da gewichtige Verpflichtungen, wie die der Reduktion der Heeresstärke aus 100 000 Mann, nicht eingehalten worden waren. Sicher nicht mals. kicke, wie die Gegenseite behauptete, sondern in der Erwartung, daß die Unmöglichkeit dieser Stipulation beim ersten freien Meinungsaustausch, der sich mit den früheren Gegnern am gemeinsamen Verhandlungstisch eröffnete, klargestellt werden könne. Immerhin war Deutschland in der Erfüllung dieser Leistung im Verzug und hatte die Folgen dieses Verzuges zu gewärtigen.
In dieser Atmosphäre von Haß und Vernichtungswillen, von Abneigung und Mißtraum hat Deutschland sich mit Anstand behauptet und manches beachtenswerte Ergebnis erzielt. Daß es seine Verhandlungen mit Anstand geführt und seine Stellung, seiner furchtbaren Lage ungeachtet, mit Würde vertreten hat, war her stärkste und unmittelbarste Eindruck, den alle nichtdeutschen Teilnehmer gewannen und dem in engerem Kreise selbst die französischen und englischen Staatsmänner Ausdruck gaben. In diesen: Wiedergewinn an Prestige, dessen sich Deutschland noch nicht klar bewußt scheint, liegt ein starkes Saldo moralischer Natur, das Deutschland für sich verbuchen kann. Daß es ein Mann des alten Systems war, der dem Ansehen seines zerschmetterten Landes zu einer, wenn auch vorerst gedämpften, aber immerhin schon leise erkennbaren Anerkennung verhalf, ist an sich eine häusliche Angelegenheit Deutschlands. Diese Tatsache wird aber auch von der Außenwelt und von den Gegnern Deutschlands nicht ohne Interesse registriert und ist Gegen-