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Die Liquidation der deutschen Interessen in Schantung
Denn in der Leidenschaft und den Qualen dieses Kampfes gibt es einige Ausblicke, die uns weiter helfen und uns vor dem Untergang, dem der Dichter nicht entging, bewahren. Ein solcher Ausblick ist der Gedanke einer neuen russischen Kritik (S. 138), die nichts gemein hat mit der westeuropäischen Kritik, sondern „ein ewiges und universales religiöses Bewußtsein, einen notwendigen Übergang von der dichterischen Kontemplation zu einer religiösen Handlung, von Wort zu Tat darstellt". Und dazu tritt der Gedanke einer neuen Kirche, die die Form für das neue Christentum, in dem Geist und Fleisch eins sind, schaffen soll. „Diese Kirche bietet Raum nicht nur dem Herzen und der Seele des Menschen, sondern auch seiner Vernunft in ihren höchsten und stärksten Äußerungen. Sie ist der Weg und das Mittel, um alle Kräfte und Regungen des Menschen zu einer einzigen harmonischen Hymne zu vereinigen." Wer erwartet diese Verkündung aus dem Munde eines Russen!
Hier weicht der Krampf und die Verzweiflung, die Schatten der Schuld und Hoffnungslosigkeit werden von der Gnade des kommenden Reiches überstrahlt, und die angstvollen Gebete und Schreie weichen der demütigen Mahnung, die des Dichters letztes Wort an die Seinen und an uns ist, die sein Leben und sein Lebenswerk zusammensaßt und uns zu Verwaltern seines Erbes beruft: „Seid keine toten, sondern lebendige Seelen. Es gibt keine andere Türe als die, die uns Christus gezeigt hat."
Die Liquidation der deutschen Interessen in Schantung
von rvaldemar vollerthun
I ls in der Deutschland vernichtenden Welttragödie des Krieges der Vorhang hinter dem ersten Akt „Tsingtcm" fiel, ahnten die wenigsten daheim, um was es mit diesem Kleinod deutscher Kolonisation im ! fernen Osten ging, Es war ja nicht nur dieses kleine Jnselchen in dem Meer deutscher Interessen in Ostasien, dieses Musterlager ^1 deutscher Kultur, deutscher Industrie, deutscher Volkswirtschaft, das man uns raubte. Tsingtau war auf dem Wege, ein Ausstrahlungspunkt aller unserer wirtschaftlichen Beziehungen mit dem ostasiatischen Koloß zu werden. Und wenn deutsche Handelskreise in China, oft nicht ohne Unterstützung kurzsichtiger Reichsvertreter, hie und da sich geflissentlich dieser Erkenntnis verschlossen, so hatte ein gutes Teil Schuld daran der historische E.ntwicklungsfaden des nach Übersee strebenden Deutschland. Viel auch trug zu dieser beklagenswerten Kurzsichtigkeit die dem Deutschen eigene Eigenbrödelei und die Scheelsucht bei, mit der jeder nur sein kleines Eigeninteresse sah, ohne das Ganze ins Auge zu fassen.
Es hat deutsche Kaufleute in Schanghai gegeben, die noch nicht lange vor dem Weltkriege emphatisch den Gedanken vertraten: „Was soll uns die deutsche Kriegsflagge hier im Osten, wo doch alles englisch orientiert ist? Wir haben unter englischem Handelsprotektorat bessere Geschäfte gemacht als jetzt unter englischem Mißtrauen. Bleibt uns mit euren Gernegroßideen vom Leibe!" Das war noch damals so, als der erste Iltis am Schantung-Vorgebirge scheiterte. Es kam noch 1910, wenn auch leiser und verblaßter, zum Ausdruck, als schon ein stattliches Kreuzergeschwader die Parität deutscher mit den englischen Interessen in den chinesischen Gewässern versinnbildlichte.
Deutschland hatte sich im Kiautschou-Vertrag 1898 erhebliche Gerechtsame gesichert. Außer dem Schutzgebiet von über 500 Quadratkilometer Bodenfläche war ihm als deutsches Hoheitsgebist die Bahnlinie nach Tsinanfu, der Hauptstadt