Unterschreiben! Unterschreiben! 37
Einem Deutschen wird der deutsche Wähler niemals zugeben, daß er sich mit Vorliebe die falschen Männer zum Negieren wählt. Vielleicht glaubt er es jetzt dem Ausland. Und wenn er es jetzt noch nicht glaubt, dann werden wir eben noch mehr Rückporto für als unbestellbar zurückgehende Dumpingsendungen bezahlen müssen.
Was du zu produzieren vermagst, lieber Wähler, ist bitte nur für den inneren Konsum; da kann uns niemand hindern, uns daran dm Magen zu verderben.
Unterschreiben! Unterschreiben!
„Viele unter den Verbündeten wollten, daß man Deutschland Zugeständnisse mache, um es zur Unterschrift zu bringen. Im Januar 1919 wollte man Deutschland die folgenden Friedensbedingungen auferlegen: Sofortige Zulassung Deutschlands zum Völkerbund) eine internationale Besetzung nur fiir die Dauer von 18 Monaten,' die Kohlengruben im Saargebiet sollten nicht in den Besitz Frankreichs übergehen, auch die dortige Bevölkerung keinem besonderen Regime unterworfen werden) Deutschland sollte nur 40 v. H. aller Schäden an Menschen und Gütern bezahlen und nach dreißig Jahren frei von allen Lasten sein sowie das Recht haben, die Hälfte der Entschädigungssumme in Papier zu begleichen/ Osterreich sollte frei dariiber beschließen, ob es sich mit Deutschland vereinigen wolle."
Andr6 Tardieu, Herrn Clemenceaus eifriger Mitarbeiter, hat in seinen offenherzigen Darlegungen nur verschwiegen, daß Lloyd George nach eben gewonnenem KhakiwalMmpse vielleicht doch zäher für die geplanten Milderungen eingetreten wäre, wenn nicht das aus Deutschland hertiberdröhnende „Unterschreiben! Unterschreiben!" jede Vorsicht unnötig gemacht hätte. Deutschland war, das erkannte der letzte Kindskopf in London und Paris, wirklich kein wildes Biest, das man nicht all zu sehr in die Enge jagen, nicht all zu sehr zur Verzweiflung treiben durste. Es hob die Pranke, aber nicht zum furchtbaren Hiebe, sondern zum Unterschreiben.
Keine Ewigkeit in Spa bringt zurück, was unsere Nagenden im Januar 1919 in der Sekunde ausgeschlagen haben.
Spleenige Engländer. Bon Zeit zu Zeit quittiert das englische Schatzamt über freiwillige Zahlungen reicher Leute, die dem Staate ohne Not oder Gewissenszwang Zuwendungen machen. Kürzlich gingen 200 000 Pfd. Sterling in Kriegsanleihe, dann wieder 15 000 und 20 000 Pfd. ein. Großbritannien hat bisher, als das Land des business as usu-U, in hohem Ansehen bei unseren Kriegsund Umsturz-Profitlern gestanden. Zeigt es aber weiter so bedenkliche Spuren von Geistesverwirrung und Entartung, dann wird der alte Respekt bald fort sein. Gefühlsduselei in Geldsachen sind dem Kapitalsflüchter wie dem Steuerhinterzieher gleich verächtlich. „Kennst du das Land, wo Sittlichkeit im Kreise froher Menschen wohnt?"