Die soziale Weltkrise
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Es wäre wahrscheinlich richtiger, mit der Festsetzung unserer Schuld an die Entente noch ein Jahr zu warten, denn noch verhüllen die Reste unseres erst seit sechs Jahren sich aufzehrenden einstigen Wohlstandes den nackten Anblick unserer Armut; noch stehen uns eine Reihe nener ^ Enttäuschungen bevor, das Zerfließen der Hoffnungen, die sich an das Erzbergersche Steuerprogramm, an das Steigen der Mark, an die Senkung der Preise, an die internationale Anleihe knüpfen, Man muß sich völlig klarmachen, was es bedeutet, wenn ein Volk einmal den Weg der Notenpresse beschütten hat und zwar in einem Zeitpunkt überwältigender Passiva und geschwächten aktiven Leiswngsvermögens. Es bedeutet nichts anderes als ein Scheinleben, unter dem. sich der wirtschaftliche Tod langsam vollzieht. Kann dies zum Stillstand gebracht werden, so wird der geschwächte Körper sich regenerieren, wenn auch unter großen und dauernden Kraftverlusten. Manches könnte uns dann emporhelfen; sofortige Mittel, wie z. B. eine Zwangsanleihe, die unentbehrlich ist, obwohl kein Minister und keine Partei das Wort auszusprechen wagt, würden dann positiv wirken können. Solange aber, wie in unserem Fall, noch keine nahe Aussicht auf einen Stillstand der Notenpresse besteht, so lange setzt sich das verhüllte, später offene Absterben fort und führt zum Tod zahlloser Einzelwirtschaften und Existenzen, der wiederum die Lebensfähigkeit des Gesamtorganismus von allen Seiten her angreift. Man muß sich schonungslos vergegenwärtigen, was es eigentlich heißt, einem zur Zeit absterbenden Wirtschaftskörper anzugehören. Das vielfach hypertrophische Wachstum und schmarotzerhafte Gedeihen einzelner Glieder des in Unordnung geratenen Organismus kann die Auflösung auf die Länge nur beschleunigen statt sie hintanzuhalten.
Unsere Kriegsschuld dürfte erst festgelegt werden., wenn einmal die Fieberröte des heutigen Notenpressenwohlstandes verflogen ist. Dann wird der hohläugige Blick Deutschlands auf seine Peiniger stumm mehr sagen als vieles Reden in Spaa.
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Die soziale Weltkrise
von Max Hildebert Boehm
um ersten Male jährt sich der Tag, da der Zusammenbruch des deutschen Volkes in einem Friedenspakt besiegelt wurde, der über ein Millionenvolk das furchtbarste Verhängnis breitete, das die Geschichte kennt. Dieser „Friedensvertrag" wurde zwischen Ahnungslosen und Unverantwortlichen geschlossen. Er wurde von Männern unterfertigt, die sich nicht einzugestehen wagten, daß hier eine elementare Weltkrise nicht gelöst, sondern vertieft wurde. Vor der Geschichte war soviel frevle Ahnungs- losigkeit nicht zu verantworten. Auf der einen Seite standen Männer, die der Siegestaumel blind machte, auf der anderen Seite betrogene Jllusionspolitikcr, die nie Augen besessen hatten. Der gefürchtetste Staatsmann der Zeit, der dem Weltproletariat als Heiland, der Wcltoourgeoisie als böser Dämon gilt, fehlte.