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Frontoffiziere
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Frontoffiziere

Frontosfiziere

von Hauptmann Reichenbach ch denke an die Zeit vor dem Kriege. Alles war dem strebsamen Offizier begehrenswert: Kriegsakademie, Generalstab, Adjutantur. Kriegsministerium, Kadettenhaus, Kriegs- und Unteroffizierschulen, kurz alle Kommandos, die mit der Front unmittelbar nichts zu tun hatten, nur diese selbst war Stiefmutters Kind, dessen Leben weniger zu wünschen war. Und das war nicht wunderbar. Wer vorwärts kommen wollte, durfte nicht erwarten, daß dies Streben durch besondere Leistungen in der Front erfüllt wurde, der mußte sich nach dem geeigneten Sprungbrett umsehen, das fast immer außerhalb der Truppe lag. Vorpatente zu erringen und die Aussicht auf Verwendung in höheren Führerstellen zu erwerben, war in den meisten Fällen dem Frontoffizier auch dann versagt, wenn er es nicht unterließ, seine geistig-militärische Fortbildung zu fördern, im übrigen aber dem Truppen­dienste seine ganze Kraft zu widmen. Schnellere Beförderung, die Möglichkeit, persönlichen Ehrgeiz und Tatkraft zu betätigen, die mit dem schnelleren Erreichen höherer Rangstufen verbundenen pekuniären Vorteile waren alles Dinge, die wohl außerhalb, aber recht selten in der Truppe Aussicht auf Verwirklichung hatten.

Die Gründe dieser tatsächlichen Entwicklung, wie sie jeder Offizier be­obachten oder gar am eigenen Leibe zu spüren bekam, lagen nicht zutage. Auf Grund der wirklichen Bedürfnisse einer Armee sind sie auch nicht zu erklären, müssen also ihre Berechtigung aus dem Frieden heraus geschöpft haben. Füh­rung und Truppe waren doch damals schon die beiden Bestandteile des Heeres, von denen der eine ohne den anderen nicht leben konnte und dessen Gleich­berechtigung nebeneinander anzuerkennen war. Dem genauen Beobachter ergaben sich jedoch etwas andere Resultate, die durchaus zum Nachteil der Front aus­fielen, den führenden Teil aber eben alles, was mit ihm zusammenhing und arbeitete weit über den Spiegel des Gleichseins erhob.

Die menschlichen Anlagen und Fähigkeiten sind glücklicherweise verschieden und führen auf diese Weise zu Arbeitsteilung und gegenseitiger Ergänzung auf den verschiedensten Gebieten. Was der Generalstäbler hier, ist der Truppenoffizier dort im militärischen Leben. Beide sind ohne einander nicht denkbar, beide streben zu gemeinsamem Ziele, beider Arbeit ist für dies Ziel als gleichwertig zu bemessen. Und doch war der eine Teil dem anderen gegenüber schon rein äußerlich kenntlich gemacht und erhoben.

Die Lust und Liebe zum Soldatenberuf wird nicht aus der Sehnsucht nach der Schreibstube geboren. Wie viele junge Männer und Offiziere sahen in der rein praktischen Betätigung eines höchste Ideale weckenden Arbeitens mit lebenden Menschen und feuernden Waffen das Ziel ihrer Wünsche und ihres Könnens. Und nicht nur körperlich wollen sie tätig sein, nein auch der Geist soll arbeiten, wird die Welt- und Kriegsgeschichte studieren, wird die taktisch-strategischen Wissen­schaften verfolgen, wird aber immer wieder der inneren Neigung zum Durchbruch verhelfen, das Gelesene, das Gelernte an dem lebendigen Körper der Truppe zur Tat werden zu lassen und weiter zu pflanzen in viele hundert junge Soldaten­seelen, was stiller Stunden Ausreife war. Innerste Passion und Überzeugung,