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Deutsche Grenzpolitik
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Deutsche Grenzpolitik

von INoeller van den Brück

ir haben bis jetzt keine Grenzpolitik gehabt. Wir hatten noch nicht einmal eine Auslandspolitik, die auf Völker eingestellt gewesen wäre. Wir hatten nur eine Außenpolitik, die sich die Welt so vorstellte, wie sie gutgläubig wünschte, daß dieselbe sein möchte. Es war die Politik eines groß aber ziemlich grob gearbeiteten Rsichsschemas, das sich trotz der jungen Überlieferung des Reiches sehr bald heraus­bildete. Sie begnügte sich damit, den Dingen des Reiches den bestimmten Stempel aufzudrücken, der dann mehr und mehr zum wilhelminischen Stempel wurde. Sie verwendete diesen Stempel unterschiedslos, ohne die Besonderheit der je­weiligen Stelle zu beachten, an der sie ihn handhabte. Sie glaubte vielmehr von vornherein und ganz allgemein, daß sie des gründlichsten Eindruckes sicher sein werde, wenn den Vertretern dieser Politik nur gelang, das Reich als möglichst vollkommen hinzustellen.

Darin lag sehr viel Anmaßung. Aber es lag auch sehr viel Verzicht darin. Die Anmaßung wurde durch die Macht gerechtfertigt, die wir bis 1914 besaßen. Über den Verzicht wurden wir uns erst klar, als es zu spät war als sich während des Krieges herausstellte, wie falsch doch eine Außenpolitik ge­wesen sein mußte, die so völlig versäumte, die Völker aus ihrem eigenen Willen 6U begreifen, und die ihnen dafür Vorstellungen aufzudrängen suchte, die als fremd und eher feindlich denn freundlich empfunden wurden. Schon der Aus' bruch des Krieges brachte die Überraschung, daß es einen Deutschenhaß in der Welt gab, vor dessen Ausbrüchen kein Auslandsdeutscher, wohl aber unsere Außenpolitiker wie vor einem Rätsel standen, dessen seelische Grundlage sie niemals benurkt zu haben glaubten. Und der Verlaus des Krieges ließ uns dann von einer Verrechnung in die andere geraten, die durchweg aufdeckten, daß es an Kenntnis auch der sachlichen Grundlage fehlte, auf der die Beziehungen der Völker beruhen und zu deren Unbegreiflichkeiten etwa gehörte, daß man an entscheidender und Verantwortlicher Stelle nicht wußte, von welcher Rasse oder Religion eigentlich die Bevölkerung eines Landes war, in das uns der Feldzug sührte. Von der politischen Lehre, die Bismarck hinterlassen hatte, war der wichtigste Teil vergessen worden, der von den Nnwägvarkeiten handelte. W

Grenzhoien II 1920 12