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Gedanken eines Monarchisten
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Gedanken eines Monarchisten

von Grcif G, Reventlow

m Mitte November 1918 gab ich öffentlich meiner Überzeugung Ausdruck, daß es mit der Monarchie, wie sie in Deutschland be­standen hatte, ein Eude genommen habe und zwar definitiv. So könne es nie mehr wieder kommen. Was gewesen sei, das sei eben vorbei. Aus den Kreisen der Rechten habe ich damals viele miß­billigende Bemerkungen einzustreichen gehabt. DasBerliner Tageblatt" aber überschrieb eiuen Artikel:Reventlow Republikaner". Daß dieses Organ meine Ausführungen zu seinen kleinen schmutzigen Taktiken benutzte, war zu er­warten. Dagegen frage ich mich noch heute, wie es möglich gewesen ist, daß nach der Novemberkatastrophe gerade deutsche Monarchisten glauben konnten, die Monarchien in Deutschland könnten auch nur annähernd, wie sie früher gewesen waren, wiederhergestellt werden, sei es durch ein Wunder, einen Stimmungsum­schlag oder durch ein von der Front zurückgekehrtes Armeekorps plus Stimmungs- wuschlag. Gerade die Monarchisten in Deutschland verfügen zum großen Teile über ein gewisses Maß geschichtlicher Bildung, sie haben vielfach in ihren eigenen Familien eine geschichtliche uud damit politische Tradition, und man hätte des­halb vielleicht die Berechtigung gehabt, auf ein höheres Maß von nüchterner Urteilskraft zu schließen. Ich gestehe, durch weuige Diuge mehr enttäuscht worden zu sein, als durch den Maugel solcher Urteilsfähigkeit bei dieser Gelegen­heit. Beiläufig bemerkt, stand und steht es auch heute noch auf dem militärischen Gebiete ähnlich: man habe die Flotte verloren, in ein Paar Jahren baue mau ?we neue und organisiere man eine neue Marine. Nur den richtigen Manu brauche man, um in jedem Augenblicke eine große Armee aus dein Boden zu stampfen, auszurüsten und gegen die verschiedenen Feinde zu führen.

Was gewesen ist, kommt, so wie es gewesen ist, niemals wieder. Das gilt >ür den einzelnen Menschen innerlich und nach außen und genau so für das Volk allen seinen Lebensbctätigungen und Schicksalen und in allen staatlichen Institutionen. Deshalb muß es auch für die Wünsche und Ziele und aus eben demselben Grunde für die politische Strategie uud Taktik gelteu und maß­gebend sein.

Grenzhoten II 1920

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