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Deutschland und der Orient
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Deutschland und der Grient

Deutschland und der Grient

von Konteradmiral a. T>. vollerthun

eber cill den Sorgen, die uns zurzeit durch linksradikale Diktatur­gelüste und das bolschewistische Gespenst im eigenen Hause be­drohen, haben die politischen Umschichtungen in der übrigen Welt für den Durchschnittsdeutschen mit Recht nur sekundäres Interesse. Und doch muß immer wieder angeknüpft werden an die große Linie, die Herrn Wilsons wvhlgelungener Weckruf von der Freiheit der kleinen Nationen, die Fortschritte der bolschewistischen Propaganda und den einzigartigen Versailler Friedensvertrcig mit einander verbindet, will man die Vorgänge bei uns zu Hause im Innersten verstehen.

Die Knechtung der Türkei ruft die Muselmanen unter die heilige Fahne deZ Propheten. Wie ein Krebsgeschwür quellen allenthalben neue krankhafte Zellenbildungen hervor, erzeugt von unerhörtem Druck und unerträglicher Zu­sammenpressung. Als ich unlängst in Port Said weilte, klagten türkische Kauf­leute und Händler mit der Geste von Verzweifelten über die systematische Jndi- sierung Ägyptens. Von ihrem Standpunkte haben die Briten gewiß Recht, wenn sie der Einwanderung indischer Elemente die Tore weit öffnen. Sie schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe, schieben aus dem Hexenkessel der Kronkolonie ab was los zu werden ihnen dort erwünscht erscheint, und spiegeln dem an sich an­spruchsloseren Inder das paradiesische Bild einer glücklicheren Zukunft vor. Ob sie aber wirklich glauben, mit diesem Allheilmittel der Verpflanzung den von Herrn Wilson so geschickt in die Welt geschleuderten rasscnnationalistischen Kampfruf zu beschwören? Bei dein abgrundtiefen Unterschied zwischen Morgenland und Abendland und dem gründlich aufgerüttelten Nationalstolz und Haß gegen die feit Jahrhunderten geschwungene Knute werden sie das im Ernste kaum an­nehmen, zum mindesten nicht die weitblickenden Köpfe, die sich im Orient reiche Erfahrung erworben haben.

Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird selbst für britische Zähne die türkische und die indische Nuß die allerschwersten Aufgaben stellen und die Frcnde an der durch Deutschlands Niederringung gewonnenen unbegrenzten Ausdehnungs­fähigkeit des Angelsachsentums gründlich vergällen., Das Problem ist hier weit größer und schwieriger als das irische. Es handelt sich um eins neue Zwangs­kolonisation großer Länder- und Völtermassen, die vor der Hand noch gewaltige wirtschaftliche Kräfte bindet, anstatt sie zu entfalten. Der Freund aber jenseits des Kanals ist mit dein deutschen Bröckelt allein auch nicht zufrieden. Er ver­langt gebieterisch seine alte christliche Vorherrschaft im Osmanenreich.

In Nußland ist die Idee des Bolschewismus tot, aber die Machtgruppe, der er zum Siege verholfen hat, schwingt ihre eiserne Geißel mit erstaunlicher Anpassungsfähigkeit der Propaganda über die Welt. Das zermürbte Deutsch­land sucht sich in seiner unübertrefflichen politischen Nachahmungsgabe von ihm das Kleid zu borgen, ohne zu merken, daß dos Gewand auf seinen Träger zu­geschnitten sein muß, um zu passen. Und weit hinüber zittern die Wellen bis in das bis auf die Knochen kaisertreue, dem Klasfenkampf so abgewandte Japan. Wird dieses absurde, den natürlichen Entwicklungsgedanken der Menschheit direkt