126
Bücherschau
Durchführung des Sprachengesetzes von 18L9, das immer auf dem Papier blieb.
Die jetzigen Maßnahmen werden und von befreundeter deutsch-ungarischer Seite erklärt als Antwort auf den von der Entente ausgeübten Druck, als eine Verbeugung gegenüber den Christlich-Sozialen in Deutsch- Österreich, zu denen sich die Fäden wieder reicher spönnen, als innerpolitische Maßnahme zur Wahlpropaganda, da nur eine auf breitester Grundlage zustande gekommene Nationalversammlung nach dem Willen der Entente über die Ratifikation des Friedens abstimmen darf und man mitRecht Obstruktion der Minoritäten fürchtet. F. L,
Die Stimmung in Südtirol. Im „Corners della Sera" vom 28. Dezember veröffentlicht Ugo Ojetti einen langen Artikel über die Stimmung in Südtirol, dem man die Bestürzung über die Ergebnisse seiner Untersuchung, sowie das nugenscbeinlich besonders in norditalienischen Handelskreisen starke Verlangen nach einer annehmbaren Regelung der Verhältnisse deutlich anmerkt. Die Treue der Südtiroler zu Österreich, zu Franz Joseph und dem Kaiserhause grenze an Verrücktheit. Der italienische Sieg würde von den Tirolern lediglich als Magenfrage betrachtet und das Land ^hielte nach wie vor zu Österreich. Schon auf der Trambahn habe man ihm mit unangenehmer Deutlich
keit von allen Seiten „Franz-Josephs-Platz" entgegen geschrien. Der Bürgermeister von Bozen aber, Dr. Julius Perathoner, habe geäußert: „Italien? Die italienische Freiheit? Wir kennen sie nicht, wir wissen nichts von ihr. Wir haben sie nie erfahren. Diese ist Knechtschaft. Unter Österreich waren die Südtiroler innerhalb unserer Grenzen vom Brenner bis Saturn, von Toblach bis Franzensfeste frei. Sagen Sie nicht ^,1to ^dixe (Oberetsch). Dieser Name ist eine Erfindung des Herrn Tolomei. Er hat niemals existiert. Sagen Sie Deutsch-Süd- tirol. Ganz deutsch. Wir wollen unseren Landtag. Wir wollen im eigenen Hause befehlen, unsere eigenen Gesetze machen, unsere eigenen Schulen haben. Unsere Biüdcr wohnen nördlich des Brenner, nicht südlich von Salurn. Die Trentiner sind unsere Feinde. Sie sind es immer gewesen und werden es immer bleiben." Ojetti warnt dann vor überstürzten Maßnahmen sowohl wie vor unentschiedenen und halben Lösungen und erzählt von dem Fall einer deutschen Schule, die 143 deutsche und 141 italienische Zöglinge zählte. Als man sie durch eine italienische Schule ersetzen wollte, hat die ganze oder fast die ganze Bevölkerung erklärt, daß die deutsche Schule vollkommen genüge und dem italienischen Lehrer, der eilfertig herbeigeschafft worden war, wurde jede Unterkunft verweigert. N.
Vücherschau
Wuldemar Oehlke, Geschichte der deutschen Literatur. Bielefeld und Leipzig, Velhagen u. Klasing, 1919, 442 S. Broschiert 10 Mark, geb. 18,60 Mark. Der Verfasser, spricht auf Seite 421 seines gründlichen und gelungenen Werkes die Vermutung aus, es werde eine kurzgefaßte Literaturgeschichte eher von der Jugend als von dem reisercn Aller gelesen- Zweifellos wird das im allgemeinen zutreffen. Für sein Werk sei aber ausdrücklich
betont, daß es für jeden Kreis, für jede Altersstufe geeignet ist, wenn sie darin nicht allein Wegweiser, sondern vor allem eine Anleitung zum selbständigen Erfassen einer Dichterpersönlichkeit, eines Zeitabschnittes, einer Einordnung in den gesamten Verlauf der deutschen Literaturgeschichte und damit in die Kulturgeschichte überhaupt suchen. Denn das sind die beiden Hauptvorzüge dieser trefflichen Arbeit, die sich damit als unbedingt berechtigt zum Erscheinen be-