Beitrag 
Drinnen und draußen
Seite
123
Einzelbild herunterladen
 

Drinnen und draußen

123

Drinnen ur

Deutschtum m Masuren. Nach Abfassung meines Aufsatzes überDie wirtschaftliche Bedeutung der Abstimmungsgebiete in Nr. 2, wurden mir die Angaben über die Nationalität der Nbstimmungstreisein Ost-und Westpreußsn nach der Zahlung vom 1. Dezember 1910 zugänglich gemacht. Danach hat das Deutsch­tum in Masuren seit 1905, auf welches Jahr sich die im Aufsatz mitgeteilten Verhältnis- zahlen beziehen, sehr betrübliche Fortschritte gemacht. Der Prozentsatz polnisch (bzw. ma- surisch) sprechender Bewohner ist im Kreise Ortelsburg von 76 auf 69, in Neidenbmg von 70 auf 63, in Johamüsburg von 7» auf 67, in Lyck von 56 auf 50, in Sens­burg von 54 auf 50 gefallen, so daß sich in Lyck und Ssnsburg 1910 die beiden Natio­nalitäten die Wage hielten. Das Verhältnis der Deutschen ist in Alleustein von 51 auf 57, in Osterode, von 54 auf 59, in Lätzen von 58 auf 66, in Rössel von 85 auf 86 gestiegen. Über die Verhältnisse im Kreise Oletzto, der ja zum Regierungsbezirk Gum- binnen gehört, konnte ich keine neuen An­gaben erhalten. Von den westpreußischen Kreisen ist nach der Zählung von 1910 Nosenberg jetzt zu 93, Marienwerder zu 63 v. H. deutsch, mährend das Verhältnis in Murienburg und Stuhm daS gleiche geblieben ist. lind dabei ist von Marienburg und Marienwerder der größere Teil bereits zu Polen geschlagen worden! Wie groß die Zahl der im rheinisch-westfälischeu Industrie­gebiet lebenden Personen aus dein Ab­stimmungsgebiet bereits 1910 war, ergibt sich aus folgenden Angaben. Im gesamten Industriegebiet lebten danach 218 369 Ost- Preußen, 94 714 Westpreußen, 153 187 Po- sener und 31301 aus dem Bezirk Oppeln. Die größere Hälfte der Ostpreußen stammt ohne Zweifel aus Masuren, das von jeher dem Kohlengebiet weit mehr Arbeiter zu­gesandt hat, als die höher entwickelte Nord­hälfte der Provinzen. In den Kreisen Gelsenkirchen (Stadt und Land) lebten 40815, in den Kreisen Dortmund 22 323, in Bochum 11235, in Recklinghausen 15 265, in Buer 10 415, in Duisburg 5055 Ost- Preußen. Die Zahl der Ooerschlefier war

d draußen

besonders groß in Dortmund und Gelsen- - kirchen. Als Polnisch Sprechende wurden im ganzen 247 023 bezeichnet, darunter nur 20 412 aus Ostpreußen. W. halbfaß

Unser Verhältnis zu den Deutschen in Pole«. In einem beachtenswerten Abschieds­artikel schreibt dieThorner Zeitung" vom 18. Januar:Gott schütze Westpreußenl" DaS sind die letzten Worte in dem KorpS- befehl des Befehlshabers, mit dem er sich von den deutschen Teilen Westpreutzens verabschiedet, die an Polen fallen. Wir werden Wünsche brauchen können, aber auch Taten. In Berlin weiß man von den Röten der Bevölkerung im abzutretenden Geoiet nichts oder will nichts wissen. Die NeichSregierung erließ einen Aufruf, in dem sie anerkennt, daß uns hartes Unrecht ge­schieht, da uns das Recht der Selbstbestim­mung versagt geblieben ist, und drückt die Hoffnung aus, daß auch uns eines Tages dieses nationale Grundrecht zugesprochen werden wird. Zum Schluß wird uns zu­gerufen:Treue um Treue! Für das Recht unseres Volkstums wollen wir mit­einander einstehen alle Zeit und mit ganzer Kraft."

Das sind Worte, schöne und große Worts, aber auch nichts mehr als Worte. Als die Frage der Gleichstellung der polnischen Valuta mit der deutschen auftauchte, wandten sich viele deutsche Kaufleute an das Berliner Auswärtige Amt mit der Bitte um Hilfe oder Gegenmaßregeln. Denn die Gleich­stellung der polnischen Mark mit der deutschen wird besonders bei Hhpothekenrsgelnngen die schwersten nachteiligen Folgen nicht nur für Deutsche, sondern natürlich ebenso auch für Polen haben. Aber es geschah nichts zum Schutze des deutschen Eigentums, man hat uns auf dem verloreneu Posten aufgegeben! In bitterer Scham müssen wir eS gestehen, nicht nur bei dieser einen, sondern auch bei so vielen anderen Gelegenheiten zeigte es sich, daß man uns vergessen hatl Und darum rufen wir heute, wo wir eS vielleicht zum letztenmal noch öffentlich tun dürfen, denn morgen kommen die Polen und mit ihnen