lveltspiegel
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Weltspiegel
Frankreich «nd die Nheml-mde. Die Verordnungen der interalliierten Kommission für die Rheinlande haben den Pressestimmen nach zu urteilen in weiten Kreisen des deutschen Volkes neben Bestürzung auch Überraschung hervor- gerufen. Letztere mindestens wäre unmöglich gewesen, hätte der Deutsche wenigstens im Unglück den Willen zu klarem politischem Denken bewiesen. Aber ich fürchte sehr, der deutsche Spießer bildet sich allen Ernstes ein, daß keine Gefahr vorhanden sei, da doch der Fäedensvertrag — man ist glücklich, es schwarz auf weiß zu besitzen — die Räumung des Rheinlands binnen fünfzehn Jahren und zwar nach je fünf Jahren in drei Etappen vorsähe. Er vergißt dabei nur die Kleinigkeit, daß Frankreich an die Einhaltung dieser Abmachung nur gebunden ist, wenn Deutschland den Friedensvertrag restlos erfüllt. Da dieses aber aller Voraussicht nach nicht möglich sein wird und auch ganz geringe formale Verstöße den Franzosen Vorwände zur Nichteinhaltung geben werden — gerade die Verordnungen liesern ja eine Probe, in welcher Weise Frankreich sich an Abmachungen zu halten gedenkt — so ist gar nicht daran zu denken, daß Frankreich das linke Nheinufer anders als unter dem Zwang einer außenpolitischen Notwendigkeit, die etwa von England kommen könnte, je wieder räumen wird. In den Grenzboten ist im Laufe .des vergangenen Jahres mehrmals auf die Gefahr hingewiesen worden, daß wir das Rheinland, mindestens das gesamte linke Rheinufer verlieren. Das ist kein chauvinistisches Schreckgespenst, kein bloßer Vorwcmd um nationale Leidenschaften aufzureizen, sondern geht unwiderlcglich nicht nur aus den oben erwähnten und durch die Tagespresse allgemein bekcumt gewordenen unerhörten Verordnungen, sondern auch auS der Haltung der französischen Presse, und dem ganzen Tun und Treiben der Franzosen im Rheinland hervor. Bereits im Mai wiesen die „Daily News" darauf hin, daß der Friedensvertrag ganz bewußt darauf angelegt wäre, damit die Deutschen ihn nicht durchführen könnten. „W lst jetzt schvn keine Aussicht mehr", schrieb das Blatt wörtlich, „daß Köln und das lnike Nheinufer wieder an Deutschland fällt".
Natürlich denkt niemand w Frankreich an „Annexionen" („Die deutsche ^Prak ist eine plump' Sprak!"), „Frankreich" erklärte Herr Tirard (und welches Gluck für einen Deutschen, wenn Herr Tirard so etwas erklärt hat!) „Frankreich will nicht, daß über die Völker verfügt werde entgegen ihren Wünschen." Aber man wird es eben der rheinischen Bevölkerung nötigenfalls mir der berühmten, dem General Lycmteu in Marokko nachgesagten „eisernen Hand im Sammethand- schuh' schvn beibringen, daß sie sich nach fünfzehn Jahren, innerhalb derer eine zielbewußte Propagandatätigkeit viel ausrichten kann, für den Anschluß an Fmn- reich, zum mindesten aber, wozu ja jetzt schon genügend deutliche Ansätze vorliegen, für eine Neutralisierung, die berühmte Pufferstaatlösung ausspricht. Herr Ärard hat es ja sogar für notwendig gehalten, die deutschen Schulen zu überwachen.
Zunächst zeigt sich nach dem Fehlschlag der Dortenschen Republik und der ähnlichen Bewegung in der Pfalz und in Birkenfeld die eiserne Hand in dem gewaltsamen Niederhalten jeder deutschen Gesinnung und möglichster Ausschaltung ledes Zusammenhangs mit dein Reich. Deutsche Beamte, wie die Oberbürgermeister von Mainz und Saarbrücken sind ihrer deutschen Gesinnung wegen abgesetzt worden. Im Bezirk Wiesbaden wurde jede neue Eidesleistung deutscher Beamten verboten. Reichsdeutsche Zeitschriften, wie ..Kladderadatsch". ..Simpli- zisstmus". „Jugend", aber auch die Grenzboten sind verboten. In welcher Weise oie Pressefreiheit sonst gewahrt wird, gcht aus den von der französischen Militär- beHorde am 20. August 19 l9 erlassenen Richtlinien hervor. Verboten ist danach ,ede .verletzende oder grobe" Kritik der Friedens- oder Waffenstillstandsbedingungen, einzig die offiziellen Proteste der deutschen Regierung können in dieser Hinsicht mit einer gewissen Toleranz behandelt werden. Verboten sind ferner jede übel- wollende Campagne gegen die Akte der alliierten Behörden im besetzten Gebiete,