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Stadt und Land
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Stadt und Land

von Max Hildebert Boehm

>ie großen Gegensätze, die von Urbeginn das deutsche Schicksal I durchfurchen, sind durch den Dauerkrieg und erst recht durch die ^ Revolution nicht geschlichtet, sondern nur tiefer aufgewühlt worden. Der Burgfriede, der in der Aufbruchsstimmung eine Wirklichkeit war, wurde von einer schwächlichen, innerlich richtungslosen Rs° gierung solange als taktisches Vorbeugemittel mißbraucht, bis er nur noch Zwang und Lüge war. Die Revolution, die der alten Regierung die längst nur mühsam behauptete Autorität raubte, brachte die neue Wirklichkeit einer fortschreitenden Zersetzung an den Tag. Und obschon ein hoffnungsfreudiges Auge heute an einzelnen Punkten erste Anzeichen der Gesundung gewahren mag: das Volksganze ist von echter Leibwerdung weiter entfernt als je. Und auch der Staat, der früher band, wirkt heute schon als Gärungsstoff, seit er sich den Parteien ver­schrieb. Für positive, mitbauende Opposition fehlt uns jegliche Schulung und Überlieferung, vielleicht auch Anlage. Der Deutsche, der sich noch immer gern ins Absolute versteigt, nimmt Gegensätze stets absoluter als not tut, versteift sich in Eigensinn und läßt alle taktische Gelenkigkeit und Einsicht vermissen. Die allzu leicht ergriffene letzte Ausflucht ist bei uns auf allen Gebieten die Gewalt: dieDemokratisierung" hat darin die Züge unseres öffentlichen Lebens viel eher verfinstert als aufgehellt. Und während früher der tragende Wohlstand der Nation immer wieder besänftigte und ausglich, greifen alle Teilkrisen heute an ihren Lebensnerv.

Der Gegensatz von Stadt und Land, der in den letzten Jahren eine so feindselige Gestalt angenommen hat, stammt nicht von gestern oder vorgestern, sondern hat als sozialer Urgegensatz in allen großen Krisen unserer Geschichte eine entscheidende Bedeutung gehabt. Landmensch und Stadtmensch sind Gegen­pole. Ebenso grundfalsch wie die weit über die Kreise der offiziellen Marxisten innerlich anerkanntematerialistische Geschichtsauffassung" ist der Glaube, dieser Gegensatz sei wirtschaftlichen Ursprungs. Er äußert sich auf allen Lebensgebieten «renzbot-n I 1VZ0 7