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Otto Braun
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Dtto Braun

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Otto Braun

von Hans Heinrich Schaeder

ls wertvollstes Geschenk zu Weihnachten und zum neuen Jahre wird uns dies Vermächtnis des zwanzigjährigen Otto Braun über­gebend) Der Eindruck, den flüchtiges Durchblättern der dreihundert Seiten erweckt, ist ein ungeheurer; er weitet sich bei fortschreitender Vertiefung in das Gebotene zu der Erkenntnis einer so umfassenden, tiefen und machtvollen Geistigkeit, daß wir für Stunden und Tage alle andern Fragen und Aufgaben beiseite lassen, um uns der Wirkung dieser elementaren und dabei völlig gereinigten Energien hinzugeben.

Zunächst dies: geht man mit einer allgemeinen Vorstellung von früher Vollendung, früher Reife an das Buch heran, so erfährt man alsbald, daß man dasfrüh" vergessen darf, um der Vollendung, der Reife, die sich hier darstellen, nur um so gewisser zu werden. Es gibt in den Aufzeichnungen des Vierzehn- bis Zwanzigjährigen selbst für die strengste Betrachtung nichts, was die Jugend­lichkeit des Verfassers als Entschuldigung für nur angestrebte, nicht erreichte Leistung aufrufen müßte. Im Gegensatz zu all den zahllosen Äußerungen von solchen, die im Beginn ihres dritten Lebensjahrzehntes sich dem Vaterlande opferten Äußerungen, aus denen der reinste Wille, die lebendigste Anschauung gegen­ständlicher Werte, daneben aber ebenso viel Unklarheit und Unfähigkeit der Selbst­behauptung spricht zeigt die Gestalt Otto Brauns doch strengste Zucht erkenntnis­mäßiger und handelnder Anspannung, das strengste Gleichmaß der gestaltenden Kraft und der zu bezwingenden Aufgabe. Otto Braun hatte, in einer Selbst­erziehung, die in die früheste Jugend, in die Zeit planloser Spiele und Träume seiner Altersgenossen hinabreicht, Maß und Mitte vollkommen gefunden, das Gleichgewicht seiner Persönlichkeit mit der ihn umgebenden gegenständlichen Welt vollkommen hergestellt, so daß sich ihm alle Wege fruchtbaren und reifen Kultur­schaffens erschlossen. Da raffte ihn der Soldatentod auf französischer Erde hin.

So vollziehen sich in der Seele des Vierzehn- bis Zwanzigjährigen Prozesse, die sich sonst wohl erst in der Entwicklung des um Jahrzehnte älteren Mannes voll­ziehen. Während seine Altersgenossen, soweit sie an geistiger Intensität an ihn heranreichen, entweder dem Ansturm objektive Weltinhalte erliegen und unfähig, die Welt von sich aus zu begreifen und neu zu gestalten in untätig romantische Klage versinken, oder aber in sozialistischem Hochmut und Trotz ihre Individualität bejahen und der ganzen Welt entgegenstemmen, ist es ihm gelungen, mit der Anerkennung und schöpferischen Freude an allem geistig Gestalteten die Festigkeit und Ruhe des eigenen geistigen Wesens zu verbinden. Dies letztere aber in so vollkommener Bescheidenheit, so gelöst von Eitelkeit und greisenhafter Klugheit, daß in uns neben der staunenden Anerkennung die tiefste Liebe zu seiner Reinheit erwachen muß.

Wir hören, daß eine Veröffentlichung seiner Aufzeichnungen nie in seiner Absicht gelegen habe. Die Strenge, mit der er die Aufgabe sich selber zu

Aus nachgelassenen Schriften eines Frühvollendeten (herausgegeben von Julie VogMein, Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart und Berlin 1920).