Mitteilungen
w IMW »MM M»5 und WeltpMm
Nr. 29
Verantwortlich: Carl Georg Bruns
Schriftleitung: Vromberg, WeltzienplaH 1>u
8. Okt. I9lö
Fernruf Nr. 321
Inhalt: Materialien zur ostdeutschen Frage: Ein einig Volk von Brüdern. Polnische Bekenntnisse — Aus den Deutschen Volksrüten — Pressestimmen: Polnische Presse — Kleine Mitteilungen.
Materialien zur ostdeutschen Frage
Gin einig Volk von Brüdern!
Der lveg zur Einigung der Deutschen
Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, In keiner Not uns trennen und Gefahr. Wir wollen frei sein, wie die Väter waren, Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben. Wir wollen trauen aus deu höchsten Gott Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen. Wie oft haben wir uns diese Worte aus Schillers „Wilhelm Tell" zugerufen! Wie oft uns gemahnt mit den Worten des sterbenden Freiherrn von Attinghausen:
Seid einig — einig — einig I Die Einigung aller Deutschen im Abtretungsgebiet ist so nötig wie das liebe Vrot.
Aber die schönen Reden, begeisterten Versammlungen und todesmutigen Schwüre bringen diese Einigung nicht. Dazu haben die Deutschen zu viele Köpfe. Und es ist eine Selbsttäuschung, wenn man meint, nur durch Versammlungen und packende Reden diese Einigung herbeizuführen. Solche deutschen Volksver- sammlnngen, das betone ich ausdrücklich, sind nötig, und man muß sie immer wieder von Zeit zu Zeit halten. Aber man lasse sich durch ihren gelungenen Verlaus und den Beifall der Teilnehmer nicht täuschen. Sie sind schließlich nur eine Stärkung und Festigung derer, die dein Gedanken der Einigung schon nahe stehen. Die andern lassen sich durch Worte nicht so leicht umstimmen. Und wenn sie auch wirklich in einer solchen Versammlung warm geworden sind, dann kommt am andern Tage eine merkliche Abkühlung durch einen Parteibonzcn oder irgendeinen „Bedenklichen".
Ebensowenig führt das politische Mittel der Euugung zum Z,el. Das Nächstliegende und Gegebene wäre ein Aufhören aller bisherigen Parteien und das Zusammenkommen zu einer einzigen deutscheu Partei. Aber da kennst du die Deutschen schlecht. Jeder muß sein besonderes Parteisüppchen kochen und essen. Darum »vollen Zentrum, Demokratie und Sozialdemokratie von der „Deutschen Partei" nichts wissen. Sie kommen mit dem Schlagwort „Arbeits- gemeinschaft". Aber wir kennen solche Arbeitsgemeinschaft. Da werden große Reden geschwungen, und vor lauter Reden kommt man zu keiner Arbeit. Abge- sehen davon, daß in dieser Arbeitsgemeinschaft die schwarz-rot-goldene Reichs-
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