Z46
Maßgebliches und Unmaßgebliches
namentlich auch hinsichtlich Wilhelms II. Hierauf aber möchte ich nicht näher eingehen.
„Wirklich wurden die Menschen unter seinem guten Blicke besser", sagt Heilborn von Nodenberg. Es ist mindestens etwas "Wahres daran. Warum ab?r nicht auch unter seinen Dichtungen? Sie verdienen wahrlich neben denen anderer Stimmungspoeten nnd Lebensrealisten wie Storm, Seidel, Fontane weiter ?,u blühen.
Und auch unter diesem Gesichtspunkt dürfen wir ebenfalls auf Bartels und Altenberg, auf jeden in seiner Weise, zurückschauen: alle drei Erinnerungsbücher können den Leser nicht schlechter machen, als er ist, wohl aber besser. In einer Zeit niedergehender Charakterentwicklung will das viel sagen.
lvaldemar Gehlke
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Entcntcdiplomatie nnd Bnndesstaaten.
Unser Münchener Mitarbeiter berichtet nnter dem 23. Dezember 1919: Die Entente beabsichtigt, in Ausübung der betreffenden Bestimmungen der Einleitungsnots zum Friedensvertrag in München, Stuttgart und Dresden, diplomatische Vertretungen zu beglaubigen. Vorerst interessiert sich hierfür am ausgesprochensten Frankreich, das für München Herrn Clinchant in Aussicht zu nehmen scheint. Clinchant ist in den Kreisen der früheren bayrischen Hofgesellschaft aus der Zeit seiner Dienstleistung als Sekretär der französischen Gesandtschaft in München bekannt. Er trug schon damals eine besondere Sympathie für alles Bayrische zur Schau, und wird nicht ermangeln, an die von ihm früher gesponnenen Fäden anzuknüpfen. Während des Krieges wurde Clinchant als Botschaftsrat bei der französischen Votschaft in Bern zur Leitung der französischen Gegenspionage verwendet.
Die Lage der in Frage kommenden deutschen Länder wird keine einfache sein, besonders da die NeichSverfcissung ihnen jedwede diplomatische Beziehung mit dem Ausland untersagt. Wie wir hören, schweben zurzeit Verhandlungen mit Berlin, welche die Haltung der Läuder gegenüber etwaigen Ententediplomaten klären sollen. Hoffentlich geschieht dies im Sinne absoluter Reichstreue, wenn man sich auch nicht der Befürchtung verschließen kann, daß die Abfall- bestrebungen in Süddeutschland Rückhalt finden sollen an einer französischen Diplomatie, welche auf die Methoden Richelieus
und Napoleons zurückgreift. Wie in Oste^ reich-Nngnrn, ist auch hier das reaktionäre Bestreben der Entente bemerkbar, aus Verlegenheit an schöpferischen Zielen auf veraltete politische Formen EnroPaS zurückzugreifen, die Frankreich im Sinne der Mainlinie und des Nastatter Kongresses Sicherheit vor eingebildeten Gefahren gewähren sollen.
Der Weg aufwärts I Nhren wogende Felder, kraftstrotzende Viehherden, üppig sprießende Wiesen und Weiden, von dampfenden Pferden gezogene, schwer ve- ladene Lastwagen, unaufhörlich rollende, hastende Eisenbahnzüge, rauchende Fabrik- schlnte, reich beladene Kähne, stolz dahin- fahrende Frachtdampfer, emsige Bautätigkeit, Treiben auf allen Straßen — lnrz, schassendes Leben überall! — Wem schwebt diese) Traumgebilde des einstmals so herrlichen und starken Deutscheu Reiches nicht vor Augen? Alles vorbei? Bangen Herzens sagt man sich, so wird es niemals wieder Werden.
Und doch wäre es möglich!
Ein Weg — ein einziger Weg freilich —' führt dahin, der, wenn er beschritten Wird, Wohl den größten Teil all' dessen wiederbringen würde, was heute als kaum aus- denkbar angesehen wird. War der Masse unseres Volles aber der Weg Ves Leidens während der 4^ Kriegsjahre schon zu weit, zu beschwerlich und scheinbar nicht zum Ziele führend, so ist es allerdings fraglich, ob der nun um ein mehrfaches längere, schwerere