340
Mexiko, Japan und die vereinigten Staaten
werden Müssen, ob es nicht Kindheiten sehr unterschiedlicher Länge, Altklugheiten, frühzeitig verknöchertes Alter, Kulturen, die vor der Ausreifung hinwelken und dergleichen gegeben hat. Auch erscheint verdächtig, daß eine so wichtige und deutlich sich heraushebende Erscheinung wie der chinesische oder vielleicht ostasiatische Kulturkreis so gut wie gar nicht herangezogen wird oder daß weltgeschichtliche Phänomene wie die Besiedlung Nordamerikas unberücksichtigt bleiben. Diese Lücken tragen nicht eben dazu bei, die Überzeugungskraft des Buches zu erhöhen. Und eben dieser Punkt führt uns wieder zur Skepsis gegen die anfänglich behandelte These vom „Untergang" des Abendlandes zurück. Spengler beweist diese These eigentlich nur mit einer einzigen Analogie! der Antike. Aber wer sagt ihm, daß sich Antike und Abendland biologisch gleichmäßig entwickeln? Ob nicht der sogenannte Untergang, wie das auch an einzelnen Menschen zu beobachten ist, ein Übergang ist? Gewiß ist der Umstand, daß ein wissenschaftliches Ergebnis lebensfeindlich ist, kein Einwand gegen die Wissenschaft, aber wir haben dann wenigstens das Recht, wissenschaftliche Unwidersprechlichicit zu fordern. Die zu geben, ist dem Verfasser — immer mit dein Vorbehalt, daß der zweite Band noch wichtige Ergänzungen bringen kann — nicht gelungen. Gerade die Skepsis, die sich gegen die These vom Untergang erhebt, ist sicher ein biologisches Symptom dafür, daß es mit dem Abendland noch keineswegs zu Ende gcht. Immerhin verdient aber ein so geistreiches, unsere Erkenntnis in vielein erhellendes und vielfältig anregendes Buch rcgeBeachtnng auch über den Kreis der Fachleute hinaus.
Mexiko, Japan und die Vereinigten Staaten
er republikanische „Snn" in New Dork schrieb in seinem Leitartikel vom 28. Oktober 19l9 folgendes: „Wenn Carranzcr und Genossen auch nur ihren gewöhnlichem Menschenverstand beisammen haben, müssen sie wissen, daß die Vereinigten Staaten auf die Dauer die in Mexiko herrschende Anarchie nicht ertrage» können. Man glaubt vielleicht, daß wir die Ordnung nicht aufrecht erhalten wollen oder dazu nicht imstande sind. Aber wenn auch vielleicht der mexikanische Bauer glauben mag, daß die Vereinigten Staaten der Aufgabe, ihre Bürger zu schützen, physisch nicht gewachsen sind, die mexikanische Regierung kann so etwas unmöglich glauben. Visher haben die Vereinigten Staaten Mexiko mit seltener Nachsicht behandelt. Sechs Jahre und acht Monate ist die Gefährdung von Leben und Eigentum der Fremden in Mexiko, die iu jedem anderen Lande schon die ernstesten Folgen nach sich gezogen hätte, von unserer Regierung geduldet worden. Aber auch die Geduld hat Grenzen, es kommt die Zeit, da die Schreie der in den Hinterhalt gelockten und ermordeten Amerikaner nach Bestrafung der Übeltäter nicht mehr überhört werden könncu. Dieser Zeitpunkt in unseren Beziehungen zu Mexiko wird kommen, vielleicht ist er schon eingetreten. Wenn die Stunde schlägt, wird sie das amerikanische Volk zur Unterstützung der Negierung bei jeder geeigneten Maßnahme bereit finden, die Mexiko für den zivilisierten Menschen bewohnbar macht." Einen Monat später hieß es an gleicher Stelle: „Falls die Vereinigten Staaten gezwungen sein sollten, zum Schutz von Leben und Eigentum von Amerikanern eine militärische Expedition nach Mexiko zu senden, so würde die Armee nicht einmal drei Luftkampfgeschwader aufzuweisen haben. -.