Contribution 
Die Zuckerindustrie Polens
Page
274
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

274

Denikin in Südrußland

deutsche Zuckerindustrie angehende lSprache: Mit dem Verschwinden d-eS größeren Besitzes wird gleichzeitig die exportfähige polnische Zuckerindustrie ver­nichtet und nicht einmal der polnische Jnlandsverbrauch wird .gedeckt werden können.

Die Störung der Zuckerindustrie hatte die Ernährung der Bevölke­rung wesentlich verschlechtert und das Schleichhändlertum erzogen, das trotz aller noch so scharfen Maßnahmen seitens der .Regierung seine widerwärtigen Triumphe feiern konnte. Die Zerstörung dieser lebenswichtigen Fabri­kation wird dem Volke ein Nahrungsmittel entziehen, das es heute nicht mehr entbehren kann.

Die unweigerliche Folge ist, wie in allen Ländern gleicher politischer und wirtschaftlicher Verfassung, die Verweisung des eigenen Landes auf Einsuhr. Ankauf ausländischen Zuckers jedoch bedeutet für Pollen unausweichlich einen weiteren Abfall des Kurses der polnischen Mark, die heute schon den Tiefstand der bankerotten Zentralstaaten unterbietet. Aus diesem Eisenring retten Polen weder Goldauskäufe in Deutschland, noch Valutaspekulationen mit deutschen An­leihewerten. Wen Bolschewismus aus der einen, kopfloser Klassensozmlismus auf der anderen Seite umbrandet, ider kann von seiner Insel aus das feste Land des Nachbarn im Westen nur mehr bei .Kurswechsel erreichen.

Denikin in 5üdrußland

von Major G. Frttntz

^in nationalukrainisches Direktorium scheint nicht mehr zu bestehen. ! Denikins Freiwillige haben Mogiljew am Dnjestr und nördlich davon Ushiza erreicht; Kamenjez-Podolsk ist von den Polen besetzt- Die Trümmer der nationalukrainischen Truppen sollen sich nach i Norden zu den Bolschewiken in der Gegend von Kasatin geschlagen haben; Petlura selbst ist angeblich in Lembcrg. Damit würde das gon^e Unternehmen Petluras zusammengebrochen sein. Die Nachricht, daß etwa 20 000 Mann ostgalizischer Truppen, die den Kern von Petluras Heer bildeten, zu Denikin übergetreten seien, wird von ukrainischer Seite bestritten. Sie stellt den Vorgang nur als einen Verrat des Führers ohne Beteiligung der Truppe hin. Unwahrscheinlich ist ein Parteiwechsel der ostgalizischen Truppen nicht; nachdem Ostgalizien von Petlura als Preis für die Waffenruhe an Polen überlassen ist. erhoffen sie wohl mit Recht von Denikin eine aussichtsreichere Vertretung ihrer Interessen gegenüber Polen. Kiew ist fest in der Hand Denikinscher Truppen, nachdem im November noch einmal bolschewistisch-ukrainische Banden den Versuch gemacht hatten, die Stadt zu überrumpeln und zu plündern- Der berüchtigte Bandenführer Machno in der Gegend nördlich von Odessa, der auch unseren Besatzungstruppen im vorigen Jahre viel zu schaffen machte, soll unschädlich gemacht sein. So scheint sich allmählich an der Westfront und im besetzten Gebiete die Lage Denikins zu bessern. Die Wirkung auf die Ereignisse an der Bolschewikenfront wird nicht ausbleiben. Vorläufig dauern dort die langsamen Fortschritte der Bolschewiken noch an; Denikins Front ist in die Lirne ButurlinowkaLisskisüdlich St. Oskolnördlich Obajannördlich Sudsha südlich Bachmatsch zurückgenommen.

Über die Lage in Südrußland, die Organisation der Verwaltung und über Denikins außenpolitisches Programm hat der in Berlin erscheinendePrisyv" von berufener Seite Mitteilungen erhalten, denen ein Teil der nachfolgenden Angaben entnommen ist.