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Steiner, Dr. Rudolf, Die Kernpunkte der soziale» Frage» i» den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart uyd der Znkunft. Herausgegeben von der Treuhand-Gesellschaft des Goetheanum Dornach m. b. H., Stuttgart. Verlag von Greiner und Pfeiffer in Stuttgart. 2 Mark.
Steiner kennt das proletarische Leben besser als die übrige große Mehrheit der oberen Schichten unseres Volkes. Viele Mängel und Fehlerquellen unseres sozialen Lebens sieht er richtig. Die Vorschläge zur Lösung der sozialen Frage, wie sie in der vorgenannten Schrift ihren Niederschlag finden, muß man jedoch als zu „abstrakt" ablehnen, da sie keineswegs zur Gesundung unseres Wirtschaftslebens führen werden. Die schwierigste und wichiigfte Frage, wie Menschen, die im Bannkreis der Maschinen, der Technik, der Organisation stehen, mit ihrem Schicksal ausgesöhnt, d. h. zur freudigen Mitarbeit bestimmt werden können, läßt er völlig unbeantwortet. Die Behandlung der Eigentumsfrage enthält viele Unklarheiten. Steiner will private Wirtschaft und zwar soll jeder einzelne Wirtschaftsmensch selbst bestimmen, was die Gesamtheit ihm für seine Dienstleistungen gewähren müsse. Bei Verschiedenheiien in der Vermögenslage soll der mit geringem Einkommen Bedachte sich damit zurechtfinden, daß das „Mehr" des andern lediglich daher kommt, daß dieser Andere eben die innere bessere individuelle Fähigkeit habe, mit diesem höheren Einkommen der Allgemeinheit besser zu dienen. Das wirtschaftliche Endziel Steiners ist, ein noch unfaßbarer Kommunismus, wo das Geld nur mehr eine symbolische Bedeutung hat. Der Verfasser sieht in der sozialen Frage eine Wirtschafts-, Rechts- und Geistessrage. Nicht allein die Wirtschaft, sondern auch das gesamte Geistes- und Kulturleben soll verselbständigt werden. Der staatliche Zwang auf dem Gebiete der Schule, der Volksbildung und Volkserziehung soll beseitigt werden. Was würde die Folge der Annahme dieses Vorschlages sein? Eine größere Verwahrlosung unserer Jugend, wie wir sie leider Gottes heute schon haben und nicht zuletzt eiue weitere Verarmung an geistigen Gütern, an sittlichen Lebenskräften. Was uns retten kann, ist u. a. die Durchdringung des wirtschaftlichen, politischen und sozialen Lebens mit dem Geistigen.
Wenn man sich nun mit dem Inhalt der Schrift auch nicht einverstanden erklären kann, so verlohnt sich dennoch ein Hineindenken in die Jdeengänge der '.Dreigliederung des sozialen Organismus". Sie geben Anregungen nach verschiedenen Seiten hin. L.
'Julius N. Haarhans: Haus Malepartus. Verlag Paul Parey, Berlin. Mark. Der Verfasser ist vielen unserer Leser kein Fremder. Die Grenzboten haben des öfteren Arbeiten aus seiner Feder gebracht, so kurz vor dem Kriege den Nomau: „Das Glück des Hauses Rottland." „Haus Malepartus" zeigt uns Haarhaus aus einem Gebiet, das ihm besonders gut liegt. Es ist ein von sonnigem Humor durchwehtes Buch voller Liebe zur Natur, auch zu ihren kleinsten und unscheinbarsten Geschöpfen. Eine kleine eigenartige Gesellschaft hat sich in der wärkischen Heide zusammengefunden, um am Busen der Natur von der Hast und aein Getriebe der Welt sich zu erholen. Und der Leser erholt sich mit dabei. Eine stott fortschreitende Handluug wird nur unterbrochen durch geistvolle Erklärungen von großen und kleinen Wunderwerken der Natur. Wie der Verfasser dabei mit lroher Überzeugung für einen vernünftigen Naturschutz eintritt, wie bei dem Helden seines Buches aus dem Saulus ein Paulus wird, das macht das Buch lesenswert von der ersten bis zur letzten Seite.
n.. Im „Lachenden Wald", ein heiteres Buch für Jagd- und Tierfreunde von ^»lhelm Hochgreve, Verlag von E. Ungleich, Leipzig, 6.50 Mark, ist Haarhaus ebenfalls mit einer Jagdskizze vertreten. Der Titel des Werkes verrät schon, daß ssler die fröhlich-humorvolle Seite des Jagdlebens geschildert werden soll, was °em Herausgeber auch wohl gelungen ist. Unsere besten Jagdschriftsteller geben