Das französische Buch im Ausland
237
Das französische Buch im Ausland
von Räthe Miethe
! n einer Unterredung, die der neue französische Gesandte für Holland, !Herr Charles Benoist, in Paris mit einem Vertreter des Nieuwe j Notterdamsche Courant hatte, sprach dieser von seiner Absicht, das französische Buch den Holländern besser, als es bisher der Fall gewesen wäre, zugänglich machen zu wollen. Herr Benoist bringt ^ damit für Frankreich keine neue Idee zur Welt, er spricht nur für leinen Teil von einer Bestrebung, der alle, mit irgendeiner kulturellen Misston im Ausland betrauten Franzosen dienen, durch das Buch für ihr Land zu werben. Bereits vor einigen Jahren auf dem „LonZrös National clu l^ivre" in Paris leitete der französische Verleger M. Fouret seine Rede mit folgenden Worten ein: !-Die Verbreitung des französischen Buches ist eins der besten Mittel, den Einguß unseres Landes zu vergrößern und die Größe Frankreichs der ganzen Welt Arzutun." Auf diesem Buchkongreß wurden schon die Aufgaben des französischen Auchhcmdels für die Zeit nach dem Kriege besprochen und gewisse Richtlinien festgestellt, nach denen die Verbreitung der französischen Bücher im Ausland er- wlgen sollte. Eine wie große Bedeutung die französische Negierung dieser Sache Anschrieb, beweist die Beteiligung des Präsidenten der französischen Republik an nationalen Vuchkongretz. Seine Aussprache ist zu charakteristisch, um sie si!^ ^em^ zu umgehen. Sie schließt mit den Worten: „Im Buche versinnbildlicht W die französische Idee. Das deutsche Buch war der Fürsprecher des deutschen Holzes, der deutschen Kultur. Deutschland nährte den Ehrgeiz in sich, die Königin ^6 Buches zu werden. Sie wissen, daß das Buch die Menschen beherrscht, daß A der Herr der Zukunft ist. — Schriftsteller, Verleger, Druckereibesitzer, Buch- Mucker, Bibliophilen und Künstler, Ihr alle habt Euch zusammengeschlossen, um der Verteidigung und dem Ruhm der französischen Sprache und des franzö- "Ichen Buches mitzuarbeiten!"
^ Mit der Propaganda des französischen Buches im Ausland befaßt sich seit fahren eine Verlegervereinigung in Paris, die „Sveiöte ci'öxporwtion eios vchtlvns rr-Anyaises". Ihre Hauptaufgabe während des Krieges bestand darin, °?e von Deutschland notgedrungen verlorenen Stützpunkte in den fremden Ländern einzunehmen, sich der Gesetzlosigkeit dem Feinde gegenüber zu bedienen und den französischen Buchhandel nach deutschem Muster neu zu organisieren, t-n Während der Kriegsjahre waren die Leistungen der Buchhandelsorganisa. »wen für die Weltwerbearbeit nicht von so großer Bedeutung, wie sie es jetzt sind. ^ Buchhandel konnte naturgemäß den Anforderungen nicht genügen, die die h Muhrenden Länder an ihre Buchpropaganda stellen mußten. Da die Ver- kon » ^ ^ Bücher großenteils kostenlos in den neutralen Ländern erfolgte, Av^ ^ Kanäle des internationalen buchhändlerischen Verkehrs nicht viel in niN'^ck) genommen werden. Es wurden von den Regierungen besondere Orga-
'?""uen ins Leben gerufen, die die sogenannte Propagandaliteratur herstellen .""^breiten ließen. Für bestimmte Publikationen, vor allem solche, deren g^rucher Charakter nicht erkannt werden durfte, wurde natürlich auch der reguläre AI durch den Buchhandel gewählt. Doch war auf die Verbreitung einer solchen ^Mntlichung kein allzugroßer Einfluß zu gewinnen. Das alles sind hoffentlich Dinge. Insoweit wenigstens, als es jetzt nicht auf augenblickliche a„ oenzlose Stimmungsmache im Ausland ankommt, von der sich nur in gänzlich
normalen Zeitläuften nachwirkender Erfolg versprechen läßt, sondern auf die Be- Bes^ Hervorkehrung des wesentlichen, dem ganzen Volke eigenen geistigen
Sitzes durch geeignete Zugangswege im Ausland. c> Einen Übergang von Friedens wegen für die Verbreitung seiner Bücher fand U°"rre:ch im Kriege beispielsweise in Holland in der Verbindung der amtlichen ""nzostschen Propagandastelle im'Haag, dem Office fran?<nse, mit einem Lesesaal.