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Die Brennschiefervorkommen Estlands als industrieller Heizstoff
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Das Problem Gberschlcsien

eingangs erwähnten Pöchelbrunner sowie andere Erfahrungen haben gezeigt, daß aus derartigem Öl Benzol, Benzin, Petroleum, Teer, Anilin und die in diese Reihe fallenden Nach- und Nebenprodukte hergestellt werden können.

Ergeben die Nachprüfungen deutscher Sachverständiger, daß die bisherigen vor allem aus estnischen und englischen Quellen stammenden Angaben die estnische Brennschieferindustrie auf- und ausbaufähig erscheinen lassen, so ist angesichts der verhältnismäßig geringen Bemühungen der estnischen Regierung in der vor­liegenden Frage auf das dringendste zu wünschen, daß deutsche Fachkreise aus Wissenschaft und Industrie dem Gegenstande unter Heranziehung der beteiligten amtlichen Faktoren ihre Aufmerksamkeit zuwenden.

Die letzten einschlägigen Pressenachrichten zeigen, daß mehrere ausländische Unternehmen und Finanzgruppen sich lebhaft für den estländischen Bitumenschicfer interessieren und es ist uns nicht unbekannt, daß unter anderem finnländische Finanzleute Verhandlungen über Konzessionen auf diesem Gebiet mit dem estländischen Handelsministerium in die Wege geleitet haben. Die erste größere, zum Abschluß gekommene Bestellung weist 45 Unternehmen und Personen in 15 Städten als Besteller auf zusammen 450 Waggons zu je 1000 Pud Brenn­schiefer auf.

Das Problem Gberschlesien

von Amtsrichter Dr. Wohlfahrt

er Friedensvertrag von Versailles, der nunmehr in seiner amtlichen Fassung im Reichsgesetzblatt veröffentlicht worden ist, sieht be­kanntlich für Oberschlesien eine Volksabstimmung vor. Aber wie diese stattfinden soll, ob gemeindeweise oder bezirksweise, wie die Bezirke gebildet werden, wie die Grenze der prätendierenden Staaten bei verschiedenem Wahlergebnis benachbarter Wahlbezirke gezogen werden wird, vor allem, wann die Abstimmung stattfinden und wie der Kreis der Wahlberechtigten umschrieben werden soll, darüber enthält der Vertrag nichts. Dieser stellt sich vielmehr als ein Blankettgesetz dar, das der Alliierten­kommission in allen diesen bedeutsamen Fragen die höchste Entscheidung einräumt. Dies alles ist heute allgemein bekannt. Was aber nicht bekannt ist. das ist die Möglichkeit, daß es überhaupt zu keiner Abstimmung kommen wird. Formell sind die alliierten Staaten durchaus in der Lage, die Abstimmung ausfallen zu lassen. Denn im Friedensvertrage haben sie sich das Recht vorbehalten, dessen Bestimmungen von Zeit zu Zeit einer Revision zu unterziehen. Kein Ver­nünftiger wird freilich erwarten, daß sie sich zu einem solchen Schritt aus Wohl­wollen für Deutschland entschließen werden. Die Brutalität, die die Sperrung der Ostsee, das Beharren auf der Ablieferung des Viehs, ja fast jede einzelne Note verrät, schließt eine derartige Haltung unbedingt aus. Sondern nur das eigenste und dringendste Interesse der alliierten Staaten selbst kann es sein, das die Aussicht einer dahingehenden Vertragsrevision eröffnet. Ein solches Interesse kann aber eines Tages auftauchen und ist vielleicht schon heute im Werden begriffen.

Das Problem Oberschlesien, ursprünglich ein deutsch?polnisches, ist heute ein internationales, europäisches, ja Wellproblem. Bei Ausarbeitung der Friedens­befehle handelte es sich für die Alliierten darum, einerseits Deutschland zu schwächen und Polen zu stärken, andererseits die Feindschaft zwischen beiden Ländern zu verewigen. Daneben und wohl erst in zweiter Linie mochte noch