218 von Politik, Kriegführung und dem deutschen «Vffizierkorps
Von Politik, Kriegführung und dem deutschen
Gffizierkorps
Eine BücherbssprechunH von Dr, m,ax v, Szezcplinski
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elehrt sein, das ist nach Winckelmann: zu wissen, was andere gewußt haben. Nicht nur in diesem Sinne ist der General Fryr. v. Freytag-Loringhooen von je einer der gelehrtesten deutschen Offiziere gewesen. Seine zahlreichen Bücher bieten stets eine Fülle von Mitteilungen und Anführungen besonders auch ans historischen und staatSwissenschaftlichet! Werken. Niemand wird sie daher ohne reiche Belehrung, ohne wirklichen Nutzen aus der Hand ü'gen, zumal ihr Verfasser mit jeder seiner Veröffentlichungen einen bestimmten Lehrzweck zu verbinden pflegt: ihm liegt vor allem auch an der Verarbeitung des dargebotenen Lesestoffes zum praktischen Gebrauch. So hat er denn bereits in: Jahre 1911 unter dem Titel „Krieg und Politik in der Neuzeit" Studien erscheinen lassen, die damals wohl von jeder Kritik ihrem vollen Wert nach auch da gewürdigt wnrden, wo gegen einzelne Auffassungen oder Urteile Bedenken walteten. Ein jetzt vorliegendes Buch desselben Verfassers nennt sich „Politik und Kriegführung"^) „Es deckt sich", wie in der Einführung gesagt wird, „in zahlreichen Stellen mit den Ausführungen in der früheren Studie und bestrebt sich, auf geschichtlicher Grundlage erkennen zu lassen, wie Politik und Kriegführung im Verlauf dcs Weltkrieges sich gegenseitig durchdrungen haben." In dem letzten Teil dcs Satzes ist das gegen früher wesentlich neue gekennzeichnet: vergleichende Hinweise auf den Weltkrieg, über den ein das alte Buch ergänzender Abschnitt angefügt ist, sind in die frühere, zum Teil verkürzte und textlich hier und da veränderte Darstellung eingeflochten. Dabei läßt sich erkennen, daß die Arbeit offenbar in Angriff genommen wurde, bevor das Ergebnis des Weltkrieges feststand, und vor der Drucklegung ohne rückblickmde Durcharbeitung zu Ende geführt worden ist; denn wir lesen beispielsweise auf Seite 79: „Die Lage, in die Napoleon der Erste Preußen versetzt hat, zeigt, was ein unglücklicher Krieg einem Lande unter Umständen kosten kann und was uns im Falle eines Unterliegeus im Weltkriege bevorstehen würde." Hier tritt noch die Zweckbestimmung des Buches für eine vergangene Zeit zutage, die seinen: Werte unseres Erachtens etwas geschadet hat. Nachdem in den Studien vom Jahre 1911 die geschichtliche Grundlage des Problems mit großer Sorgfalt bereits gelegt morden war, konnte und" mußte die Öffentlichkeit von dem inzwischen zum Ehrendoktor der Universität Berlin ernannten Militmschriftstellcr anstatt wortwörtlicher Wiederholungen ganzer Abschnitte nebst vergleichenden Hinweisen, anstatt also einer Neuauflage, mehr und anderes erwarten, wie ja auch die Titeländerung anzudeuten scheint: nämlich ein vertieftes Anpacken und Ordnen der als Stoff wie als Idee so wertvollen Aufgabe, eine Prüfung und etwaige Berichtigung auch einiger Grundlinien des Buches. Dahin gehört zum Beispiel die auf Seite 39 aus dem früheren Buch übernommene Anschauung, es sei nicht unbedenklich, die vielfache Bedingtheit geschichtlichen Lebens allgemeinen Gesichtspunkten unterzuordnen. „Für den Historiker und Philosophen mag das nützlich sein, und auch der zum Handeln Berufene gewinnt durch
) Verlag E. S, Mittler u. Sohn, Berlin 1919. Preis 10,7« M.