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Der Außenhandel Polens vor dem Kriege
Der Außenhandel Polens vor dem Ariege
von Johann Günther, Wissenschaft!. Hilfsarbeiter beim Zweckoerband <vst
olens Außenhandel vor dem Kriege läßt sich statistisch nur schwer erfassen, da nach Aufhebung der Zollgrenze zwischen Rußland und Polen Waren, die aus dem Auslande nach Polen kamen, vielfach nach Rußland ausgeführt wurden und umgekehrt Waren, — außer Eisenerz und Kohle — hauptsächlich landwirtschaftliche Erzeugnisse, aus Rußland nach Polen kamen und von hier über die kongreßpolnische Grenze ins Ausland gelangten.
Die Gesamteinfuhr Polens an Rohstoffen und Fertigfabrikaten hatte einen Wert von 648 Millionen Rubel. Von der Rohstoffeinfuhr entfallen 72 1 Millionen Rubel oder etwa 40 Prozent der Gesamtrohstoffeinfuhr, die sich auf 183 Millionen Rubel beläuft, auf Nußland. Trotz der russischen Zollpolitik, die die Einfuhr von anderen Ländern in sehr starkem Maße erschwerte, ist der russische Anteil doch nur ein bescheidener gewesen. Die Rohstoffgewinnung war in Polen gering! auch Güter, wie Eisenerze und Kohle, von denen Polen größere Vorräte besitzt, konnten den Bedarf bei weitem nicht decken, so daß Kohle und Koks aus England, Schlesien und Oberschlesien und Eisenerze aus Südrußland eingeführt wurden. Die aus Rußland eingeführte Kohle war zum großen Teil hochwertiger Anthrazit aus dem Donetzschen Kohlenbecken.
Im Jahre 1910 betrug Polens Eisenerzförderung 173000 Tonnen entgegen einer Förderung von 484 000 Tonnen im Jahre 1900. Seit 1900 stieg Polens Einfuhr an Eisenerz immer mehr, wozu nicht zum wenigsten der Umstand beitrug, daß Nußland einen Eisenbahntarif besaß, der, um die Ausfuhr Nußlands zu fördern, das Kilometergeld für den Transport aus Rußland bei wachsender Entfernung immer geringer werden ließ.
Den Hauptanteil der Rohstoffeinfuhr bildete die Baumwolle. Von der Gesamtrohstoffeinführung, die in den Jahren 1909 bis 1911 durchschnittlich auf 183 Millionen Rubel bewertet wurde, entfielen 64,2 Millionen aus Baumwolle. Wolle und Baumwolle kam nach Polen über Danzig und die deutschen Grenzstationen, später auch über Riga. Baumwolle wurde um das Jahr 1910 auch schon von den russischen Plantagen in Turkestan bezogen.
Die Einfuhr von Rohstoffen stieg im Jahresdurchschnitt von Anfang der 90er Jahre bis zu den Jahren 1910/12 bei Baumwolle von ungefähr 13 000 auf 60 000, bei Kohle von 200 000 auf 1300 000 Tonnen. Die eingeführten Kohlen stammten zum großen Teil aus England und kamen über Danzig auf der Weichsel herein. Die Kohleneinfuhr über Danzig wurde immer mehr durch die billigere, schneller zu beschaffendere, wenn auch qualitativ geringere Kohle aus dem oberschlesischen Kohlenrevier zurückgedrängt. Hierbei spielte eine große Rolle der Umstand, daß die Wasserstraßen von der russischen Regierung vernachlässigt wurden und die Weichsel daher durch absichtliche oder unabsichtliche Vernachlässigung (keine Reinigung und Ausbaggerung des Flußbettes, das Fehlen von Anlagen und Hafenplätzen) als Verkehrsstraße im Verhältnis zu den drei mehr aus strategischen Gründen gebauten Eisenbahnlinien, die Polen mit Deutschland verbinden, trotz des bedeutend billigeren Wassertransportes an Bedeutung verlor.
Auch die Baumwolle wurde auf dem Weichselwege eingeführt, was jedoch später durch die russische Handelspolitik unmöglich gemacht wurde. Die Einfuhr von Wolle stieg von Anfang der 90 er Jahre bis zu den Jahren 1910/12 im Jahresdurchschnitt von 6000 auf 25 000 Tonnen.
Die Ausfuhr von Rohstoffen war im Verhältnis zu Fertigfabrikaten gering. Woll- und Baumwollgewebe stehen mit 230 Millionen bei der Ausfuhr an erster Stelle und wurden ausschließlich nach Nußland ausgeführt. Eine Erklärung für die Abhängigkeit der polnischen Textilindustrie vom russischen Markte.
Die Ausfuhr von Eisenerzeugnissen hatte einen Wert von 43 Millionen, die von Wollgarnen 36 Millionen und die von Ledererzeugnissen 21 Millionen