Fünfundzwanzig Jahre Deutscher Vstmarkenverein
179
üblichen Parlaments« und Parteiwesen eine seelische Überlegenheit mit. Entweder werden diese jugendlichen Elemente dereinst mit fremdem Eroberergeist in das Parteileben eindringen, um seine Struktur von innen heraus zu verwandeln und umzugestalten, oder sie verwandeln den politischen Seelenbau der ganzen Nation, so daß diese sich der Parteischablone entledigt und andere politische Freiheitsgedanken aufnimmt, aus denen sie neue Formen macht. Das braucht nicht von heute auf morgen zu geschehen. Denn außerhalb der parlamentarischen und parteiamtlichen Machlhaberschaften sind in der jüngeren politischen Generation zwar die Männer, die gegenwärtig in den dreißiger Jahren stehen, vor der Hand die ausschlaggebenden; aber diejenigen, die jetzt in den Zwanzigern sind, werden erst die Entscheidung bringen.
Für die Parteien würde eines — ein Versuch, der freilich ihrem überlieferten Denkverlauf widerstreitet — die allererste Notwendigkeit sein: sie müssen endlich aufhören, in der akademischen Jugend immer nur ein Objekt der Behandlung. Bearbeitung und Beeinflussung zu sehen; sie müssen sich herbeilassen, diese akademische Jugend als ein Subjekt schaffender Kräfte zu achten.
üi^KW^
Fünfundzwanzig Jahre Deutscher Vstmarkenverein
von Iustizrat Wagner
in der Mitte des vorigen Jahrhunderts schwärmten Die deutschen ^ Idealisten in vollständiger Verkennung der eigenen staatlichen ! Interessen für die Polen. Man sah in den Polen in Rußland die ungerecht behandelte, unterdrückte Nation, die einen Freiheits- ! kämpf gegen den Absolutismus führte. Es gab nur wenige einsichtsvolle Männer, die die ganz unangebrachte Polenschwärmerei zurückwiesen. Unter ihnen war der dcmmls noch jugendliche Bismarck. Er wies mit ernsten Worten auf die Gefahren hin, die von feiten des polnischen Volkes unter Führung des polnischen Adels und der polnischen Geistlichkeit den preußischen Provinzen im Osten drohte. In Deutschland hatte man daraus nicht acht, man hatte auch anderes >zu tun; in allen deutscheu Staaten mußte man ,ich in Verfassung und Parlament einleben und dann mußte man sich im neuen Teutschen Reich einrichten. Unbeachtet, ober durch die Wohltaterd der preußischen Verwaltung und der deutschen Schule gehoben, entwickelte sich inzwischen das -polentum. Bismarck war es dann, der endlich in den achtziger Jahren stärkere Vöcißregeln gegen die Polengefahr durchsetzte, die Ausweisung >der ausländischen Polen und die Errichtung der Ansiedlungskommission zur Ausetzung von deutschen Bauern in Posen und Westpveußen. ' Der richtige Weg zur Festigung und Förderung des Deutschtums in der Ostmark war gegeben. Aber mau hielt auch diesmal, wie so oft schon früher, nicht aus. Der Nachfolger Bismarcks, Cavrivi, Reichskanzler von 1890 bis 1894 versuchte es wieder mit der Versöhnung, während der Polenführer von Koscielski sich bei dem Kaiser in günstiges Licht zu setzen wußte.
Die Kraft der Polen in Preußen wuchs. Nicht mehr allein der preußische Adel und die polnische Geistlichkeit schürten den Haß gegen alles Deutsche. In der Ostmark waren dank der preußischen Fürsorge die polnischen Knechtgestalten in freie Arbeiter und