Contribution 
Neue Bücher
Page
143
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Neue Bücher

143

Neue Bücher

Aus der deutschen Schule. Die fieberhafte Unruhe, in die unser Schul- Wesen geraten ist, weil Reich und Einzelstaaten, die Wichtigkeit der Jugend­erziehimg für die deutsche Zukunft erkennend, durch übereilte Maßregeln der Zeit Rechnung z,',i tragen suchen. diese Unruhe hat naiinlich zu einer Flut Von literarischen Äußerungen geführt. Über sie soll hier nicht geredet werden, weil man im Hinblick auf das Werden des Ganzen nicht jeder Eintagsfliege eine Würdigung.angedeihen lassen kann.

Um so mehr verdienen so manche Bücher Erwähnung, deren Inhalt dem obei flächlichen Blick durch die brutalen Ereignisse des letzten Jahres überholt erscheinen möchte, aber kraft der darin waltenden Gedanken überhaupt durch äußeres Geschehen nicht überholt werden kann. Hierzu gehört dcs bekannten Pädagogen Hugo Gaudig inhaltreiches BuchDeutsches Volk Deutsche Schule" (Leipzig 1917. Quells u. Meyer, geb. 4 20 M). Gaudig hat stets ein offenes Auge für das Bestehende und Mögliche gehabt, unvoi eingenommenes Urteil bewiesen und sich vor Ketzereien nicht gescheut. Es ist das Buch eines durchaus unrevolutionärcn Reformers, von dem man sich gern anregen läßt, auch wo man ihm nicht beistimmen kann. Das nalionale Einheitsbewußtsein ist es. das im Mittelpunkt seiner Gedankengänge steht, das er mit dem Blicke des Kullurpolilikers zunächst in Staats-, Sozial-, Parteivoliiik sucht und dessen Aus­bildung seine Vorschläge gewidmet sind. Wenn er dann zur Schule übergeht, so findet sich, daß fast olle die Punkte bereits erörtert werden, über die im Schul­wesen seit der Revolution so heftig gestritten wird: Einheitsschule, Berechtigungen, Aufstieg der Tüchtigen, Ablehnung der Unfähigen, Reform der Lehrerbildung usw. Auf all diesen Punkten hat ja die Revolution keine neuen Ideen gebracht, sondern nur die vorhandenen Strebungen entfesselt zum Guien oder zum Bösen.

Ich sehe dieses Buch als ein bemerkenswertes Dokument der Zeit vor dem schmählichen Kriegsende an: Gedanken eines tlugeu Mannes, der sich selbst klar Werden will über die Bedingung des deutschen Lebens in der künstigen Zeit, das deuische Einheitsbewußtsein, über seine Quellen und seme Mitiel, seine Beziehungen und Auswirkungen, nicht nur theor. tisch, sondern freudig Ziele zeigend; ein Beweis, daß wir gerade auf diesen Gebieten durch Reformen hätten weiter kommen können. Die Überschätzung der politischen Volke Vertretung im Hinblick auf Kulturaufgaben freilich ist einer der liebenswürdigen Optimismen dieses Buches, ebenso der Glaube, die Beteiligung aller Voltstreise an der Verwaltung werde die Parteigegensätze mildern; die Übertragung des auf Parteien aufgebauten Verhältniswahlrechts auf die Gemeinden hat die Grundlage zu dieser gesunden Entwicklungssorm weggezogen.

Heute hat die Wucht der Tatsachen die maßvoll abwägende Zielsetzung des Buches vielfach überschritten. Ein Zurück scheint unmöglich, und coch unrd eine Zeit kommen müss.n, da wieder kühle Köpfe und warme Herzen in der Politik an die Stelle der Doktrinen treten; und nicht zum wenigsten in der Schulpolitik.

Der energisch nationale Zug, den man an Gaudig kennt, läßt ihn eine Einheit der deutschen Schulen darin erstreben, daß sie ihren Stoff mehr als bisher im Leben des deutschen Volkes suchen. Die Beschäftigung mit dem deutschen Wesen werde, so meint er, eine Gesinnung erzeugen, die den Wert dieser Be­schäftigung für das ganze Leben sicherstellt. Die Vorschläge, die Gaudig in diesem Sinne macht, sichren also auf die Denischkunde als Bildungsgrundlage. ÜberDeutschkunde als Vrldun gs grundlage und als Bilduugsstvff" hat nun soeben Wilhelm Peper eine kleine Schuft erscheinen lassen (1Z. Erg.- Heft zur Zeitschr. f. d. deutschen Unterricht. Leipzig 1919. Tenbner. M. 2,80). Auch ihr nimmt die Herkunft aus der vorrevolutionären Zeit nicht ihre prinzipielle Bedeutung. Der Verfasser analysiert zuerst dasVoltsge,ühl". d. h. die gefühlte Beziehung des einzelnen zu seinem Volke, ausmündend ni das völkische Pflicht- Äefühl. Dann überblickt er das ganze weile Reich des deutschen Lebens, indem