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vom Altertum zur Gegenwart
Hot sich ein umfassender flämischer Studentenkongretz scharf gegen das imperialistische Treiben der Regierungskreise ausgeiprochcn. Unter diesen Umstärdcn verspricht der Wahlkampf außerordentlich erbittert zu werden, ein großer Teil der klerikalen Fraktion ist schon jetzt aktivistisch gesinnt, die Flamen scheinen jetzt aber auch ihre frühere ziemlich ungefährliche Wahlpraxis, nach der die Kandidaten im Nahmen ihres klerikalen oder liberalen Programms nebenbei auch auf flämische Forderungen verpflichtet wurden, was dann nach der Wahl zu lediglich platonisch bleibenden Demonstrationen führte, aufgeben, und wo es geht, besondere rein aklivistische Programme aufstellen zu wollen, wie das z. B. in Antwerpen geschehen ist, wo dem international-nationalistischen Huysmcms der aktivistisch- flamische van Cauwelaert gegenübergestellt worden ist. Auch der alte und angeschene Graf Woeste, der seit fast SO Jahren den Wahlkreis Aalst vertritt, hat seine Stellung gefährdet gesehen.
Nun musz man sich Wohl vor der Annahme hüten, als ob die Flamen weniger gute Belgier oder gar unbedingt deutschfreundlich seien. Aber für einen von Frankreich her unterstutzten und praktisch in erster Linie gegen Holland gerichteten Annexionismus sind sie gewiß nicht zu haben, und mit diesen Widerständen wird die belgische Regierung unbedingt rechnen müssen. Die Annexionisten treiben ein gifährliches Spiel und würden eines kriegerischen Erfolges gegen Holland kaum froh werden. Hoffen wir, dnsz es ihnen nicht gelingt, das Land in eine Konstellation hineinzutreiben, die eiue holländische Jrredenta erreichen könnte, welche über kurz oder laug bei Nichtbcfriedigung der flämischen Forderungen der gedeihlichen Entwicklung des Landes sehr gefährlich werden könnte.
Menenius
Vom Altertum zur Gegenwart
von Gberstudienrat Vr, <Z)tto Stange
elche Werte ein planloser Zerstörungstrieb binnen weniger Monate zu vernichten imstande ist, haben uns die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit nur zu deutlich erkennen lassen. Aber ob auch unter den Trümmern manches scheinbar unersctzliche Gut am Boden liegt — schlimmer noch als der Verlust der Werte selbst wäre
_> es, wenn wir durch den großen Wirbelsturm auch der Kräfte beraubt
, werben sollten, die allein dazu befähigt sind, uns Ersatz zu schassen für das Verlorene, vor allem für vernichtete Kullurwerte. Noch stehen ja die Säulen aufrecht, die bisher den stolzen Bau der deutschen Geisteswelt getragen haben. Aber auch hier sehen wir bereits den Spaten angesetzt, und niemand kann wissen, ob nicht morgen schon der plumpe Hammer heiniedersaust, um die gelockerten Grundsteine vollends zu zerschmettern und den Tempel deutscher Geistesgröße zu Fall zu bringen.
Da ist es mit besonderem Dank zu begrüßen, wenn berufene Männer rechtzeitig daran gehen, für bestimmte Wissensgebiete die Kräfte nachzuweiseu, durch die einzelne Teile unserer Geistesbildung zu ihrer bisherigen Höhe gelangt sind, und, falls sie von dieser Höhe hinabgestoßen werden sollten, wieder zu ihr emporgeführt werden könnten.
Dieser gewiß nicht leichten Aufgabe haben sich eine Anzahl Hochschullehrer und Rektoren angenommen, Philologen, Juristen, Pädagogen, Historiker, Theologen, auch ein Mathematiker, durchweg Namen ersten Ranges, um unter Führung Eduard Nordens und A. Giesecke-Teubners die Kulturzusammenhänge in den Hauplepochen und auf den Hauptgebieten nachzuweisen in einem soeben erschienenen Buches „Vom Altertum zur Gegenwart". Der Stoff ist so gegliedert, daß nach
l) Bei B. G. Teubner, Berlin und Leipzig 1919, Preis geh. v Mark, geb. 10,60 Mark, dazu Teuerungszuschläge.