66
Der Ring im Westen
Interessen im fernen Osten verstärkt wird. Amerikas Weg zum fernen Osten geht in seiner Hauptfront wie bei allen geschichtlichen Imperien über das mittelländische und das indische Meer. Wenn Amerika seine Kriegsflotten heute in der Ostsee und morgen via Panama zum Kampfe gegen Japan einsetzen will, bedarf es einer starken britischen Seemacht, die einerseits die deutsche Seemacht in Schach hält und andererseits im mittelländischen und indischen Meere jenes Gleichgewicht schafft, das zur Aufrechterhaltung sicherer Verbindungswege erforderlich ist.
Die obigen Ausführungen sollen den Machtstandpunkt Wilsons charakterisieren. In dem Völkerbundgedanken gibt es keine Spur ewigen Friedens. Amerika wird der Diktator der gebeugten Welt. Jede Freiheitsbewegung will es durch Schiedsgerichte bekämpfen. Das Unterseeboot als wesentlichste Waffe gegen die Hegemonie wird einfach verbaten. In erster Linie werden es deutsche Freiheitsregungen sein, die verhindert werden. Gegen alle diese Machenschaften wird es nur ein Nettungsmittel für das unterdrückte Deutschland geben: und das ist Zusammenraffung zu deutscher Einheit und äußerster Ausbau deutscher Kraft.
Der Ring im Westen
e beunruhigender in Frankreich die Nachrichten über das Schicksal lauten, das der Völkerbundsvertrag und das französisch-amerikanische Bündnisabkommen in Amerika erfahren können, je länger eine endgültige Regelung der Verhältnisse im Osten sich hinauszuziehen scheint, je deutlicher auch die kleinen- Staaten im Südosten, die Südslawen, die heftig verstimmten Rumänen und besonders skeptisch gegen die Möglichkeit wertvoller Hilfe durch Frankreich, das vor allem die Polen zu begünstigen scheint —, die letzte Rede Venes hat in Frankreich ziemliche Bestürzung erregt, weil man sest damit gerechnet hatte, die Tschechen als Sturmbock gegen Deutschland verwenden zu können — durchblicken lassen, daß sie ihre eigenen Wege zu gehen entschlossen sind, desto energischer geht man in Frankreich darauf aus, sich selber gegen einen noch immer befürchteten Angriff Deutschlands zu sichern. Die Französierung des Elsaß wird trotz der vorsichtig bremsenden Tätigkeit Millerands mit Hochdruck betrieben, die Umtriebe in der Pfalz und im Rheintand zur Loslösung von Preußen, womit man natürlich das „verpreußte" Deutschland, dessen fortschreitenden Zusammenschluß man mit steter Besorgnis verfolgt, meint, wollen nicht aufhören und werden es auch ferner nicht und im Saargebiet wird, um die Volksabstimmung in fünfzehn Jahren gründlich vorzubereiten, mit der Reitpeitsche französiert. Aber diese „Garantien" genügen den bald trotzigen, bald offenbar furchtsamen französischen Militärs noch immer nicht, zu einer wirklichen Sicherung ist, so argumentieren sie mit Hinweis auf den Verlauf des, Krieges, die Hilfe Belgiens unentbehrlich.
Um diese Hilfe zu gewinnen (und aus wirtschaftlichen Gründen), hat man sich, zumal gelegentlich der im Juli unternommenen Reise Poincarös nach Belgien, bemüht, die belgisch-französische Solidarität zu betonen, die Freundschaft beider Völker in enthusiastischen Ausdrücken zu feiern und eine wirtschaftliche Annäherung herbeizuführen. Greifbare Ergebnisse sind allerdings damals nicht erzielt worden, aber kürzlich hat doch der französische Wiederaufbauminister Loucheur betont, daß er alles tun werde, um den Handel Antwerpens zu heben, zumal da dessen natürlicher Hinterhafen Straßburg sei. Alle Transitwaren für Elsaß-Lothringen