Beitrag 
Die Alldeutschen und der Einheitsstaat
Seite
29
Einzelbild herunterladen
 

Trostgcsang

29

gewiß nicht Vergewaltigung, sondern Festhalten und Heranziehen. Folglich muß aber auch innerhalb der Netchsgrenzen jeder Gedanke, durch Zwcnu; ^ein­zudeutschen", verpönt sein. Infolgedessen darf mau aber auch nicht einer Jtiee Macht verschaffen wollen, die alle lockenden Inhalte verloren hat. Dies trifft, z. B. iu Boy/rn, das Hohcnzollcrntum. Was schuld daran ist, steht hier nicht zur Untersuchung. Aber die Tatsache ist da und will berücksichtigt werden. Ganz nüchtern.

Gerade weil der Süden Deutschlands so nüchtern denlt und nicht zn Schwärmereien und Verstiegenheiteu neigt, und weil er eifersüchtig ist, müßte dem allen Rechnung, getragen werden. Die Deutschen lassen sich nicht über einen Kamm scheren.

Nichts hat weniger Aussicht auf Erfolg iu Süddeutschlaud, als das, was ich als galoppierenden Idealismus bezeichnet habe, und was in unsere ernste Zeit deS Aufbaus und der bitteren Notwendigkeiten nicht hineinpaßt.

Es ist durchaus nicht unmöglich, daß Deutschland als Phönix aus der Asche steigt. Aber zur Wiedergebint gehört vor allem innere Einheit. Um diese zu erreichen, sind Kompromisse nötig. Der richtige Politiker versteht auch zu subtrahieren und zu dwidieren. Wer immer nur addiert oder gar multipliziert, ist im Raume, wo sich hart die Sachen stoßen, kein Politiker.

Trostgesang

Deutschland, heiliges Vaterland, arm und bloß

wie ein Kind aus der Mutter Schoß

läßt dich Gott aus seiner wägenden Hand.

Nackt, wie er die ersten Menschen schuf,

treibt er dich aus dem Garten des Übermuts,

aber ius Fordern deines Bluts

wurzelt er tief seinen Werderuf.

Noch einmal gibt er dir Znkunft und Anbeginn

und öffnet dir seinen weisenden Pfad

nun steige über Geröll und Grat

in die wartende Frühlingsebene hin.

Aufgerissen, unbestellt

klaffen die Furchen; nun säe, säe

nach Blut uud Wehe

Liebe in das bereite Feld!

Sieh, ein zögernder Taubenflug

senkt sich und kreist

um der Schlachten gestürzten Pflug: so über Jrrsal und Nächten gleißt

unverlierbar der ewige GeistI Lrnst Ludwig Schellcnberg