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Der Sieg des Imperialismus
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Der ^ieg des Imperialismus

von Dr. rvütschke

ach dem Wortlaut des Friedensvertrages vom 28. Juni soll die Welt nun befreit aufatmen können. Ist ihr doch ein Frieden beschieden, derdie Verletzungen der Gerechtigkeit und des Völker­rechtes rächen soll" und derals ein wahrer Frieden der Gerechtigkeit" allen Völkern Europas die politischen Grundlagen ihrer Freiheit sichern soll. Aber bei näherem Zusehen entpuppt sich doch dieses Geschenk der Entente an die nach Frieden lechzende Welt als eine seltsame Mißgeburt, als ein Geschöpf mit der Palme in der einen Hand und der flammenden Kriegsfackel in der anderen.Völkerbund" nennt man das eine Mittel, unter dem die Welt für alle Zeit vor grausamen Selbst- zerfleischungen bewahrt werden soll, Gewalt heißt das andere, mit dem die Entente nunmehr der Welt gebietet; zwei Dinge, die sich praktisch nicht gut vereinen lassen. Das hatte man wohl auch gefühlt, als man im amerikanischen Senat auf eine Loslösung des Völkerbund Vertrages von dem eigentlichen Friedensvertrag drängte. Daß sie nicht möglich war, beweist, daß die Kraft der Gewalt stärker ist als die Kraft des alle Völker einigenden Bundes, daß die Idee der Weltversöhnung, durch den Völkerbund verkörpert, eine Unmöglichkeit ist. solange noch die reine Gewalt über Völker ihre Geißel schwingt. Alle Völkerbundsgedanken, die dem Friedensvertrage eingewebt oder angehängt sind, können nicht darüber hinwegtäuschen, daß sie nur zur wohlanständigen Um- kleidung und Verbrämung des uackten Gewaltimperialismus dienen sollen, der aus jeder Zeile des Vertrages spricht. Er enthält nicht Vorschläge, nach denen der Frieden der Welt sich gestalten kann, sondern nur Vorschläge, wie der Machthunger der Diktierenden befriedigt werden kann. Er scheint nicht am Ende einer Geschichtsperiode zu stehen, die den Krieg der Völker aus der Welt schaffen und an seine Stelle den allmählich die Welt versöhnenden Völker­bund setzen soll, sondern am Anfang einer Zeit, in der rohe Gewalt über jede freiere Regung der Schwachen triumphieren will. Die Weltmächte sehen das Heil der Welt in einer Gewaltherrschaft, in einem Gewaltimperialismus, der auf feiten Englands ausgesprochen wirtschaftlichen Erwägungen entspricht, während er in Frankreich das Gesicht eines nach möglichst großer politischer Macht drängenden Imperialismus trägt. Der amerikanische aber gründet sich Grenzbotm IV 1919 1