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nter der äußerlich so schön abgerundeten Formel SHS (Kral- jevstvo Srba, Hravata i Slovenanza (Königreich der Serben, Kroaten, Slowenen) bergen sich zwei Tendenzen, zwei Religionen, zwei Staatswillen: die der Kroaten und die der Serben. Die Serben sind Monarchisten, die Kroaten Republikaner, die Serben orthodox, die Kroaten römisch-katholisch, die Serben wollen Groß­serbien, den großen, unabhängigen, ausschlaggebenden Balkanstaat, die Kroaten wollten ursprünglich bekanntlich gar nicht aus dem Nahmen der österreichisch­ungarischen Monarchie heraus, für die sie ja auch, zum Unterschied von den Tschecho-Slowaken, von vereinzelten Ausnahmen abgesehen, mannhaft und tapfer gestritten haben, strebten vielmehr lediglich an, als drittes gleichberechtigtes Glied neben Österreich und Ungarn zu treten. Daß dieses Streben berechtigt war, hat schon 1848 Cavour anerkannt, daß die großserbischen Bestrebungen vom serbischen Standpunkt ein hohes und edles Ideal bilden, wird kein Ver­ständiger bestreiten können, daß beide Tendenzen der in vielen Dingen nahe verwandten Völker in der Not der Zeit zusammenflössen, wird niemanden wundernehmen, ebensowenig aber, daß nach, man kann auch sagen, infolge dieser Vereinigung sich sogleich Trennendes bemerkbar machte. Die Kromen wollten innerhalb Österreichs Autonomie, sie wollen sie auch jetzt innerhalb Groß-Serbiens. Sie suhlen sich kulturell den Serben überlegen und sind keines­wegs damit zufrieden, die österreichisch-ungarische Herrschaft aufgegeben zu haben, um sie mit einer serbischen zu vertauschen. Auch in Serbien hat es, bevor die von Rußland protegierten Karageorgewilsch 1903 die austrophilen Obrenowitsch mit Gewalt verdrängten, eine Strömung für den Anschluß an den großen österreichisch ungarischen Staatsverband gegeben, um gemeinsam mit den Kroaten den dritten großen Pfeiler des Donaureiches zu bilden, eine Kombinanon, die vielleicht dem rein deutschen Element der Donaumonarchie nachteilig, an sich jedoch durchaus denkbar gewesen wäre. Die Geschichte hat anders, hat für ein selbständiges Serbien entschieden, aber bei den Kroaten ist die Föderativ­idee lebendig geblieben und wird jetzt von den Anhängern der Zentralstaatidee als Hemmung empfunden.

Als am 7./20. Juli 1917 der Vertreter des Londoner Südslawenkomitees mit dem serbischen Ministerpräsidenten Pasitsch den Pakt von Koifu abschloß, ließ man sich im wesentlichen von dem Gedanken Einigkeit macht stark leiten und machte sich darüber, wie diese Einheit im einzelnen aussehen würde, noch keine Gedanken, zumal ein Volksvotum von feiten der Kroaten damals ja noch nicht möglich war. Das wichtigste war eben, daß überhaupt ein Ziel auf­gestellt würde. Jetzt aber, da man von feiten der Serben energisch an die Verwirklichung der Zentralidee geht, machen sich alle Mißlichkeiten, die jeve ungewohnte Zentralisierung mit sich bringt, unvermeidlich geltend. Es ist klar, daß die Serben nach so vielem Erduldeten darauf brennen, das Ideal, für das sie gekämpft und gelitten haben, möglichst rasch verwirklicht sehen wollen, klar, daß es dabei ohne Gewaltsamkeiten nicht abgehen kann. Die Negierung Prvtitsch- Pribitschewitsch ging rücksichtslos ihrem Ziele nach. Alle Abmachungen und Pakte, die beim Umsturz vom Agramer Nationalrat beschlossen worden waren: bis zur Einberufung der Konstituante keine Grundgesetze abzuändern oder neu zu schaffen, keine wirtschaftlich oder sozial bedeutsamen Fragen endgültig zu regeln, endlich, die Wahlen innerhalb des ersten Halbjahres durchzuführen, wurden über den Haufen geworfen. Im Verordnungswege, feltener durch das