Die Karlsbader Beschlüsse
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Die Aarlsbader Beschlüsse
Auch eine Iahrhunderterinnerung von Vr. Paul wentzcke
n seltsamem Kreislauf verbinden sich die großen geschichtlichen Gedenktage des letzten Jahrfünfts zu einem Spiegelbild der politischen Entwicklung Deutschlands. Das Vorspiel geradezu zur neuen Erhebung der unvergeßlichen Augusttage von 1914 boten seit dem Frühjahr 1913 die wundervollen Jahrhundertfeiern der Befreiungskriege. Der Tag von Belle-Alliance, der erste wahrhaft nationale Sieg, den Preußen-Deutschland in bewußter Einheit über seinen Erbfeind im Westen errang, fand seinen Widerhall in unerhörten Erfolgen in Ost und West. Die hundertjährige Wiederkehr des Wartburgfestes vom 18. Oktober 1817 endlich schien aufs neue ungeahnte Kräfte im Inneren zu wecken, um in einem letzten großen Aufbäumen der nationalen Energie die hereinbrechende Flut abzudämmen und fernzuhalten. Noch einmal berührten und verknüpften sich die inner- und außenpolitischen Probleme der deutschen Einheitsbewegung, wie sie schon in den Jahren 1818 und 1819 zur endgültigen Lösung drängten. Reform von oben, nicht Revolution von unten war damals und im Frühjahr 1918 die Losung. Außenpolitischer Druck aber verdammte im zweiten Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts die besten Kräfte Preußens und Deutschlands zur Untätigkeit. Außenpolitischer Druck löste auch im zwanzigsten die innerpolitischen Kräfte aus, die damals wie heute die friedliche Entwicklung jäh unterbrachen. In beiden Fällen war ausschlaggebend und entscheidend die Unterstützung, die das Ausland in den deutschen Parteien selbst fand: im Jahre 1318 in den legitimistischen Bestrebungen, die mit offener Unterstützung der Habsburger von Osten her Deutschland im Völkerbund der Heiligen Allianz umklammerten, in der jüngsten Novemberrevolution in der radikalen Bewegung, die wiederum von Nußland aus durch das unheilvolle Versagen der Habsburgischen Hauspolitik Eingang auch im Herzen des nenen Reiches finden konnte/ während neue Lockungen von Völkerfrieden und Völkerversöhnung die deutsche Aufklärung des zwanzigsten Jahrhunderts zu schmachvoller Kapitulation fortrissen. Am 20. September 1819 schloß die Annahme der Karls- bader Beschlüsse durch den deutschen Bundestag die Zeit der Freiheitskriege endgültig ab. In den gleichen Wochen dieses Jahres werden wir selbst die Ratifizierung und damit die endgültige Bestätigung des sogenannten Versailler Friedens durch den Bundestag der Entente zu erwarten haben.
Rein äußerlich knüpft die Bewegung, die in den böhmischen Bädern zu so unheilvollen Verhandlungen führte, unmittelbar an das Wartburgfest an, dessen Bedeutung seinerzeit an dieser Stelle bereits ausführlich gewürdigt wurde'). Selbst die große liberale Werbung für verfassungsmäßige Einführung von Landständen in allen deutschen Einzelstaaten, die schon 1814 eingesetzt hatte, verhallte über dem Lärm, den unsaubere Geister, aber auch ehrliche Anhänger einer gesetzten, konservativen Welt- und Staatsanschauung nach Verbrennung der ketzerischen Büchertitel auf dem Wartenberg bei Eisenach erhoben. .
Im Frühjahr 1818 lehnte es der Bundestag überhaupt ab. vorläufig auf die Erfüllung des berüchtigten Artikels 13 der Bundesakte, der ständische Vertretungen zu verheißen schien, von sich aus einzugehen. Der preußische Vertreter erklärte, daß es ihm und seiner Regierung fern liege, „den Forderungen ennger unruhiger Köpfe, denen es mehr um einen gesetzlosen Zustand als um rrgend eine gesetzliche Verfassung zu tun ist, das Wort zu reden." Aufs neue versagte stch
i) Grenzboten, 76. Jahrgang (1917) II. — Meine dort erwähnte Geschichte der Deutschen Burschenschaft, der auch die hier verwerteten Forschungen entnommen stnd, Uegt nun bereits im sechsten Jahre druckfertig, im vierten Jahre im Satz vor, ohne daß sich der Verlag (Winter-Heidelberg) zur Ausgabe des Buches entschließen lann.