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der neue Umschwung in Südrußland
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England und Persien

Ruhe und Ordnung zu schassen, war der offizielle festliche Empfang auf den 19. Dezember angesetzt. Langsam fuhr der mit Fahnen und Tannenzweigen geschmückte Zug, der das Direktorium mit Petlura und Winnitschenko brachte, unter den Klängen der Musik in den mit ukrainischen und roten Fahnen geschmückten Bahnhof Kiew ein. Zahlreiches Publikum und Abordnungen aller Behörden und ausländischen Vertreungen waren trotz des scharf.m Frostes und frischen Schneefalles am Bahnhöfe versammelt. In dichtem Gewühl wurden von allen Vertretern kurze Ansprachen an das Direktorium gehalten. Mit theatralischer Hand- bewegung auf die über der Halle wehende rote Fahne weisend, fand der Vorstand deS deutschen Soldatenrates die Worte:Als Vertreter der deutschen Soldaten begrüße ich Sie unter dieser roten Fahne im Namen des internationalen Proletariats." Ob er auch im Sinne jener braven Truppen sprach, die lmnpfcnd mit Petluras Horden einen verlustreichen Heimweg halten?!

Ataman Grigorjew^) er war schon einmal im Februar totgesagt ist tot, von einem anderen Bandenführer erschossen', so berichten die Zeitungen. In dem Herzen manches Deutschen wird die Erinnerung an diesen von fanatischem Hafz gegen die Deutschen erfüllten Bandenführer fortleben. Im besonderen werden ihn alle die nicht vergessen, die erst spät im Sommer 1919 aus Nikolajew die Heimat erreichten. Monatelang, bis zum März, hat er den Nest deutscher Truppen in Nikolajew drangsaliert, nachdem er ihnen im Winter den Landweg durch die Ukraine verlegt halte. Ursprünglich ein Unterführer von Petlura, zeigte er sich nicht im geringsten geneigt, den Befehlen des Direktoriums aus Kiew Folge zu leisten. Alle Befehle konnten es nicht erreichen, daß er die Bahn von Nikolajew nach Norden frei gab. Ein Opportunist, der nur selbst­süchtige Zwecke verfolgte, sagte er sich von Petlura los, als dieser aus der Ukraine vor den Bolschewiken flüchten mußte. Er ging stets mit dem, der ihm der stärkere schien, und benutzte sogar eine ihm günstige scheinende Gelegenheit, nm sich zum Hetman der Ukraine anszurusen. Praktisch war diese eigenmächtige Rangerhöhung wertlos. Sein Ziel waren immer die Hafenstädte am Schwarzen Meer, und je aussichtsloser deren Einnahme war, um so haßerfüllter und maß­loser war der Ton seiner Noten an das deutsche Kommando in Nikolajew. Ihm danken es taufende von deutschen Soldaten, die ein ehrenvolles, wenn auch hartes, Soldatenlos schmachvoller Kapitulation vorzogen, daß sie erst nach einem entbehrungsreichen Winter in Nikolajew und mancherlei Mühsalen im Sommer in die Heimat gelangten.

England und Persien

von Dr. zur. Kurt Ld. Imberg

or einigen Tagen brachten die französischen Zeitungen die Nachricht von einem Vertrage zwischen Großbritannien und Persien, durch den letzteres vollkommen unter englische Kontrolle gestellt worden sei. Die Pariser Blätter, allen voran derTemps" und das Journal des Döbats", beides Organe, die den regierenden Kreisen in Frankreich nahestehen, regten sich über diesen Schritt ihres englischen Bundesgenossen auf, als ob der neue Vertrag eine ganz unerhörte Neuigkeit wäre und nicht nur der Schlußstein in einer langjährigen asiatischen Politik Englands. Wozu auf einmal die Ausregung, da man doch in Frankreich selbst diesem Treiben Englands uud früher des anderen Ententegenossen Rußlands

-) Vgl. Grenzboten S, 24 Nr. 27