Wiens Bedeutung für (Österreichs Anschluß an
Deutschland
von Dr. Hans Rechberger
Wien, 14. August 1919.
er Anschluß Österreichs an Deutschland ist wohl definitiv verpaßt. Der alte österreichische Gedanke fängt wieder an lebendig zu werden und zu erstarken. Er wird wohl oder übel zur Donauföderation führen, zu dem Wirtschaftsbund, der berufen ist, Deutsch-Österreich erst wirtschaftlich und dann auch politisch für alle Zeiten unter die slawisch-französische Herrschaft zu bringen und es aufzusaugen. Nur noch ganz wenig Hoffnungsblicke gestatten die Verhältnisse. Die bedeutendste und eigenartigste Rolle hat in der ganzen Anschlußfrage Wien gespielt und spielt sie noch. Die heutigen Verhältnisse Wiens sind es, die wohl den Selbständigkeitsdrang der Länder aufrecht erhalten und vielleicht sogar noch verstärken können, falls der Druck und Terror der Wiener sozialistisch-kommunistischen Arbeiter- und Soldatenräte und das Treiben der sozialistisch-kommunistischen Volkswehr anhält. Wenn nicht bald eine ganz andere mehr bürgerliche Zusammensetzung der Negierung und die Ausschaltung der Arbeiter- und Soldalenräte erfolgt, dann ist jeder neue Akt des Terrors und der einseitigen Parteiherrschaft ein neuer Antrieb zur LMösung der Länder. Es darf nur uoch ein richtiger Kommunisten- pulsch in Wien, ein unvorsichtiger Gesetzes- oder Verwaltungsakt der Wiener Zentralregieriuig kommen und die Absichten der Loslösung der Länder von Wien werden Wirklichkeit. Nochmals neun Monats ertragen die Länder die Wiener Nevoluiionsinißwirtschaft nicht. Sie haben die Diktatur der von Juden geführten Arbeiterräte und der Wiener Sozialdemokratie gründlich satt. Wäre der Friede schon unterzeichnet, so wäre es ohnehin wohl bereits zur Loslösung der Länder gekommen. Es gibt zurzeit iu ganz Osterreich nichts, was veralteter und verhaßter wäre als das einst in tausend Liedern besungene Wien, die unsterbliche Kaiserstadt, das eine Wien, zu dem in Luegers Tagen die Österreicher aller Länder wie zu einem heiligen Mekka pilgerten. Und alle möchten los von diesem Wien der Juden, dieser sozialistisch kommunistischen Willkürherrschaft, möchten in einem Staat wieder sein, wo Ordnung und Recht und Sicherheit garantiert sind. Jede neue großsprecherische Drohung der Arbeiterrüto, jeder Willkürakt der sozialdemolratischen nnd kommunistischen Volkswehr bringt es den Landern von neuem zum Bewußtsein, daß es im heutigen Österreich diese ersehnte Staats- ordmmg und Rechtssicherheit nicht gibt. Jede solche Erfahrung erhöht die Abfall-
, Grenzboten III 1919 17