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von der Pflicht zur Freiheit
Von der Pflicht zur Freiheit
von Dr. Max von Szczepanski
in Vierzigjähriger Zug durch die Wüste stehe unserem Volke bevor —so Hot der Neichsminister des Auswärtigen, Herr Hermann Müller aus Mannheim, in jener Sitzung der sogenannten National- i Versammlung sich geäußert, welche der Ratistkation des Friedens- -Vertrages galt. In dem von diesem hohen Beamten gewählten Bilde bleibend, wird man sich aber sragen dürfen, ob die Deutschen wirklich solche Kamele werden sein wollen, jenen Weg mitzumachen: einen Weg der Fronarbeit und der Knechtschaft, des Hungerns und Dürstens, und dies nicht nur der äußeren Erscheinung unseres Volkslebens nach, sondern ebenso sehr auf geistigem und seelischem Gebiet. Glücklicherweise hören wir bereits aus dem gleichen Lager, aus dem dieser Reichsminister in sein verantwortungsvolles Amt hineingelangt ist, eines anderen Mannes Stimme, des Herrn August Winnig, aus dessen kürzlich in der „Glocke" erschienenem Artikel folgende Stellen hervorgehoben zu werden verdienen.
„Man müßte sich schämen ein Deutscher zu sein, wenn es zuträfe, daß die heute amtlich Verlautbarte Gesinnung wirklich und für alle Zeit vom deutschen Volke geteilt würde. Wenn die Masse des Volkes zu den amtlickien Friedensreden schweigt,- so tut sie das nur, weil sie nach der furchtbaren Anspannung der «sünf Leidensjahre wirklich, aber nur vorübergehend, zu jener Stufe nationaler Gleichgültigkeit
herabgedrückt ist, wo ihr aller Sinn für die eigenen Würde fehlt....... Daß sich
auch nur ein erheblicher Teil des Volkes zu jenem Glauben an die Gerechtigkeit im Völkerleben bekennt, von dem die offiziellen Redner singen und sagen, ist einfach nicht wahr...... Jeder Versuch, dem Volke das heutige Verlegenheits
gestammel als Ausfluß einer neugewonnenen Erkenntnis darzustellen, kann gar
nicht scharf genug zurückgewiesen werden...... Es hieße die geschichtliche
Situation ganz verkennen, wenn man glauben wollte, daß dieser Krieg und dieser
Frieden der Völkerverbrüderung den Weg geöffnet hätten...... Noch ist es
Nacht in Deutschland, aber der Morgen wird kommen. Noch schlägt der Irrsinn den Staat in Stücke. Aber bald wird ein Taumel der Arbeit die Massen ergreifen, und neue Mauern werden wachsen. Noch weckt das Wort vom Vaterlande in den Massen höhnisches Gelächter. Aber die Zeit wird kommen, wo Heimat und Volkstum auch dem Geringsten das höchste und heiligste sein werden. Dieser Zeit harren wir entgegen."
Die Freude an diesen mutigen und mannhaften Sätzen wird jeder teilen, der gewillt ist, sein nationales Empfinde!: allen Parteiidealen und Parteigrundsätzen voranzustellen. Aber ebenso sollte jeder die Pflicht fühlen, in noch freudigerer Arbeit daranzugehen, um jener im Volke verborgenen Stimmung zu Luft und Licht zu verhelfen. Vornehmlich wird es Aufgabe der älteren Generation sein, in dieser Hinsicht mit praktischem Beispiel einzusetzen und richtunggebend zu wirken. Gerade diejenigen, welche ein Menschenalter hindurch oder noch länger mit lebensvollem Bewußtsein der Glanzzeiten des Reiches sich erfreut haben, dürfen nicht mit diesem für sie erhebenden Bewußtsein abschließen und die Hände in den Schoß legen wollen, meinend, nun werde sich der kummervollere Nest des Lebens eben auch noch ertragen lassen. Nein — das wäre erbärmlich! M Gegenteil müssen sie sich sagen, daß die Jugend ein Recht hat, Forderungen «n sie zu stellen, denen sie vorausfühlend entgegenkommen müssen. Unsere Großväter haben die Franzosennot und den Freiheitskampf durchgesuchten, unsere Väter m den Einigungskriegen ein Reich zusammengeschmiedet, das aber wir trotz gewaltiger Anstrengung in der uns überkommenen Form zu sichern nicht vermochten: das Erbe ist in Gefahr, ist fast verlorenI Da gehören wir nicht auf die Bärenhaut; da dürfen wir nicht zur Jugend sagen: Seht nun Ihr zu, wie Ihr Neues, Er° habenes schafft! Wir dürfen dies um so weniger, als so vielen durch den Kneg