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Siedelungsmöglichkeiten im westlichen Grient
heit, die uns bisher gefehlt hat, vielleicht erweisen sich Cl6menceau und Lloyd George mit ihren Plänen zur Vernichtung Deutschlands als ein Teil der Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Daß es auch in der Sozialdemokratie au Männern mit warmer Vaterlandsliebe nicht fehlt, zeigen die wahrhaft herzerquickenden Ausführungen, die Winnig neulich in der „Glocke" gemacht hat. Schmiedet uns die Not zu einem einzig Volk von Brüdern zusammen, dann wird Deutschland auch wieder bessere Tage sehen. Der Leitstern unseres Handelns aber sei das Schillerwort:
„Wir wollen trauen auf den höchsten Gott und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen."
siedelungsmöglichkeiten im westlichen Grient
von <L. Franz-Treutler
! enn man unter „westlichem Orient" die Länder der ehemaligen Türkei auf asiatischem Boden (Anatolien, Armenien und Syrien), sowie Persien und Arabien versteht, so ist ein Gebiet ins Auge zu fassen, das etwa 20 Breitengrads einschließt und der ungefähren Entfernung vom Nordkap >bis Neapel entspricht. Diese Ausdeh- !nung bedingt eine große Verschiedenheit hinsichtlich der dazu gehörigen Landesteile. Zusammenhängende Hochebenen mit schneeigen Gebirgsketten von teilweise alpinem Charakter — 3000 Meter und höher — stehen glut- durchwellten Sand- und Gesteinswüsten gegenüber. Eintöniges Flachland wechselt mit tief zerklüfteten Schluchten ab, fruchtbare Küstenstriche und wasserreiche Mußniederungen verlieren sich in heißen, fahlen Steppen.
Zur Verschiedenheit der Bodensorm und der beträchtlichen Spannung der geographischen Breite tritt als weiterer Grund zu den scharfen Gegensätzen im Landschaftsbilde das Klima hinzu, bald Ursache, bald Wirkung darstellend. Die kurze Regenzeit ist nicht imstande, den Wasserbedarf des Bodens Mährend der langen Dürrperiode zu decken. Infolge der hohen Durchschnittstemperatur geht die Verdunstung und Austrocknung des Bodens außerordentlich rasch vor sich. In zahlreichen Gegenden wird sie noch beschleunigt durch eine die Erdobersläche bildende Kalkschicht. An Stellen, !wo diese fehlt, ist dann eine gedrängte Wasseransammlung die -Folge, woraus sich der ost überraschende Wechsel von ausgedörrten, unwirtlichen Landstrichen mit plötzlich austauchenden üppigen Paradiesen erklärt. In der orientalischen Landwirtschaft spielt darum seit altersher die künstliche Berieselung eine große Rolle, welche zwar die Abhängigkeit von der Teniperatur nicht aushebt, aber eine solche von den Niederschlagen wesentlich einschränkt. Dem mit modernem maschinellen Rüstzeug und gediegener Fachkunde ausgestatteten deutschen Kulturtechniker und Landwirt bietet sich hier ein reiches Feld, an der Vervollkommnung der dort angewandten — mehr oder minder primitiven — Methode mitzuarbeiten.
Ein ungeheures Gebiet noch unermeßlicher Möglichkeiten liegt zwischen Europa und den Ländern des Indischen Ozeans. In ihnen liegen Landstriche, in denen schon heute ohne sonderliche Mühewaltung Korn und Obst, Baumwolle, Tabak, Opium und Indigo gedeiht. Mit Hilfe sachgerechter, künstlicher Bewässerung durch Schassung von Bahnlinien und Winnenschiffahrtswsgen, durch Gewährleistung von Sicherheit gegen Räuber und ungetreue Beamte, und vor allem durch neuzeitliche Arbeits- und Bewirtschaftungsmethoden läßt sich die anbaufähige Fläche auf den zehnfachen Ertrag einstellen.