Deutsche Sprachenpolitik im besetzten Belgien
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dem ganzen Volke. Ist es da wirtlich ein so großes Opfer, wenn wir die Farben,, die die Mehrheit des Volkes durch ihre Vertreter verlangt, und die doch uns auch heilig und lieb sind, auch annehmen? Können es die Politiker der Deutschen Volkspartei mit ihrem nationalen Gewissen vereinbaren, daß unsere nationalen Fahnen in parteipolitischer Verblendung zu Parteifahnen herabgewürdigt werden?')-
Ich fasse zusammen: Wenn die Deutsche Volkspartei weiter die Politik verfolgt wie bisher, so wird sie Anziehungstraft ausüben höchstens aus die Leute, die früher naüonaUiberal waren. Mit denen allein aber kann man keine nationale „Volkspartei" aufrichten, wie sie heute nötig ist. Das wirkliche Volk wird die jetzige Politik der Volkspartei immer mit der der Deutschnaiionalen zusammen- werfen. Für alle diese ist die Existenz der Volkspartei überhaupt nicht gerechtfertigt. Es kommt hinzu, daß sozialpolitisch die Deutschnationalen sogar vor-» smndnisvoller sind als die Nolkspartei. Das schlimmste aber ist, daß die Deutsche Volkspartei ebenso wie die Deutschnativnalen keine wahrhaft nationale Politik der Erneuerung im Sinne von Fichte, Arndt und Scharnhorst treibt. Der große Gcdanke, das ganze Volk, auch die Svzialdcmokratie, national gelten zu lassen und für den nationalen Gedanken, und sei es auch unter schwarzrotgoldner Fahne und in republikanischer Form, zu erziehen, ist ihr noch nicht aufgegangen. Die Deutsche Volkspartei sollte sein, was die Demokraten allzu schwer sein können, weil zuviel national geschlechtslose Leute, Juden und Pazifisten, in ihr tonangebend sind: die Partei der nationalen Selbsterkenntnis uud des nationalen Aufbaus um seiner selbst willen.
Die Volkspartei wird sich entscheiden müssen, ob sie nur eine Neuauflage der alten nationalliberalen Partei sein will, oder ob sie Raum haben will auch für Gegner der alten Partei, ob sie für alle vaterlandsliebenden Männer und Frauen ein neues politisches Obdach bauen will. Und sie wird bekennen müssen, ob sie das deutsche Vaterland auch in seiner neuen Verfassung lieben kann und ob sie alle Volksgenossen, auch Demokraten und Sozialisten gelten lassen will, wenn sie nur zum Gedanken unseres Volkstums halten, oder ob sie sich auf die Agitationsphrasen der „Nationalen" alten Stils beschränken will. Schweigen auf- diese Fragen wird auch eine Antwort sein!
Deutsche Hprachenpolitik im besetzten Belgien
von Archivrat Dr. Hans Witte
o immer Deutschland als Herr über fremde Gebiete auftrat, hat es sich als roher gewalttätiger Unterdrücker gezeigt. Das ist nach den so oft wiederholten Anklagen unserer Feinde das Urteil der Welt. Das klingt aus allen Reden des „Völkerversöhners" Wilson heraus. Das begannen sogar, zermürbt von der ewigen Wieder- ^ holung und von dem fürchterlichen Zusammenbruch unserer Sache, manche harmlosen Deutsche zu glauben. Das hat sogar jetzt Regierung und Vertretung unseres Volkes in dem ewigen Denkmal deutscher Schande, dem Friedensvertrage, dem Sinne nach unterschrieben.
Demgegenüber ist es lehrreich an der Hand scharf abgegrenzter Sachgebiete festzustellen, wie Deutschland sich in Wirklichkeit als Eroberer verhalten hat.
Die Frage kommt einem immer wieder, wie England oder Frankreich an unserer Stelle wohl als langjährige Herren Belgiens aufgetreten wären. Wenn
Vgl. hierzu die Aufsätze „Das Banner Schwarz-Rot-Gold" von Dr. Karl Hoffmann in Heft 2ö und „Schwarzrotgold" von Professor Robert Sieger in Heft 31 der Grenzboten.