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Die Entente und Rußland
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Die Lntente und Rußland

Die Entente und Rußland

es sich darum Handelle, die allgemeine Wehrpflicht einzuführen, die Anhänger dieses Grundsatzes geltend machen könne», daß seine Verwirklichung das beste Mittel darstellte, Miege. znin nnndesten MVT,K?W leichtfertig vom Zaune gebrochene Kriege, zu verhindern. Denn da ganze Volk nun nicht nur mit Gut, senden, auch mit Blut in gezogen werde, werde es sich auch das Rechi nicht netzmeu lassen, seiner Regierung auf die Finger zu passen und das Einhalten eines Kurses, der ins Verderben zu führen drohe, zu verhindern wissen. Die Erfahrung aber hat gezeigt, daß die Wirklichkeit viel zu kompliziert ist. als daß dergleichen durch Logik bestechende einfache Sätze anwendbar wären. Wenn man auch kaum behaupten kann, daß im zwanzigsten Jahrhundert noch Kriege leicht­fertig vom Zaune gebrochen worden sind die besondere Schwere des Wellkrieges ist zum Teil ja gerade eine Folge des jahrzehntelangen vorsichtigen Znwartens gewesen ist doch von einer wirklichen Kontrolle der Völker über die Regierungen in keinem Lande die Rede gewesen, und die allgemeine Wehrpflicht hat den schleunigen und katastrophalen Ausbruch des .Krieges nicht zu hindern vermocht. Wohl aber wäre sie imstande gewesen, das Ende zu beschleunigen, hätten die Negierenden es nicht verstanden, aus dem politischen und wirtschaftlichen Kriege einen kulturellen oder wenn man will, einen zivilisatorischen zu machen. Die großen zündenden Ideen der Verteidigung von Haus und Hof, die in einem Agrarland wirksamer sind als in einem Industriestaat, der Demokratie, des Völker­bundes, der Gerechtigkeit haben die Ententevölker immer aufs neue, wenn der Kriegswille zu erlahmen drohte, zu begeistern vermocht, haben ihnen vor allein den schließlich ausschlaggebenden Verbündeleu zugeführt (womit natürlich nicht gesagt werden soll, daß Amerika tatsächlich nur aus Idealismus in den Krieg gezogen ist). Diese Verschiebung aber von den politischen (und wirtschaftlichen) Kriegszielen, die die Negierenden selbstverständlich im Auge behielten, zu den ideellen, um derentwillen die Völker kämpften, hat znr Folge gehabt, daß die Friedenskonferenz das Erbe dieser Kriegführung antreten mußte und daß die, Verhandlungen durch den Umstand besonders kompliziert wurden, daß die politischen und ideellen Forderungen zwar in gleichem Maße befriedigt werden sollten, in wesentlichen Puukten aber zueinander in Widerspruch standen. Inwiefern die Völkerbnndidee hemmend auf den Gang der Verhandlungen eingewirkt hat, ist bereits neulich (Heft 28) an dieser Stelle angedeutet worden: schon darin, daß die Friedenskonferenz nicht eine Welt- oder Völkerkonferenz, sondern lediglich eine Siegerkonfercuz war, lag ein schwer belastender Widerspruch zu dem idealen Geiste, in dem diese Versammlung eigentlich geführt werden sollte. Ader auch die Konferenz der siegreichen Politiker war diesmal nicht imstande, ohne weiteres nach den klaren Grundsätzen früherer Kabinettskoalitionen zu verfahren. Das einfachste nämlich, dein Brfiegten soviel, wie irgend mit den Anforderungen der Klugheit vereinbar war, abzunehmen, wurde nicht nur durch die Ideologie des Selbstbestimmungs­rechts der Völker behindert, sondern auch dnrch die eigenartige Sachlage, daß ein Teil der früheren Gegner plötzlich uud gleichsam automatisch, jedenfalls ohne daß man sich über die Folgen dieser Tatsache ganz klar geworden war, zu Bundes­genossen geworden, ein Teil der früheren Bundesgenossen aber als Gegner und zwar als nnbezwuugener Gegner dastand. Unmöglich konnte man Tschechen und Südslawen für die Folgen eines mit Österreich und Ungarn gemeinsam geführten Krieges einstehen lassen, während der einstige russische Bundesgenosse durch seinen Einfluß auf die deutsche Revolution bewies, daß er sehr Wohl in der Lage war, sich in einen gefährlichen Feind zu verwandeln. Nealpolitischen Weitblick'bewies in dieser Lage nur derJdeolvge" Wilson, der, während die kurzsichtigen Politiker sich an das Nächstliegende, den Frieden mit Deutschland, und auch da nur wieder an das allernächste: die Bestimmung der Rheingrenze machten, klar erkannte, daß ohne Mitwirkung Nußlands von einem wirtlichen Friedensschluß mit Deutschland,