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Was ist's mit dem Anschluß Österreichs an Deutschland?
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Was ist's mit dem Anschluß Österreichs an Deutschland?

von Dr. Hans Rechberger

Wien, 15. Juli 1919 ir machten Revolution und die anderen für uns den Vernichtungs­frieden. Wer der Arbeit mit der Revolution vergaßen wir das wichtigste Werk des Augenblicks, die Einigung des Deutschtums im Deutschen Reich durch den Anschluß Österreichs an Deutschland zu vollziehen. Gewiß die österreichische Nationalversammlung hat sckwn im November den Anschluß beschlossen und verkündet. Mit einer gewissen Begeisterung faßte man in Wien damals den Beschluß, denn der Anschluß an Deutschland erschien im Znsammenbruch des Habsburger Reiches den Deutsch-Österreichern auch als einziger Hoffnungsstrahl einer großen Zukunft. In der österreichischen Jugend, in der Studentenschaft und in der Intelligenz war der großdeutsche Gedanke und der Glaube an die Wiedervereinigung mit Deutsch­land stets lebendig geblieben. Die deu Christlich-Sozialen durch Personen und Programm engverwandten katholischen deutschen Studentenverbindungen gehölten dem deutschen .Kartellverband der katholischen Studentenverbindungen an, nahmen an der Kartellversammlung und an den Katholikentagen teil, als gäbe es schon seit fünfundfünfzig Jahren keine schwarz-gelben Grenzpfähle mehr und als ob die Vereinigung des Deutschtums schon vollzogen wäre. Als nun das einzige Hindernis der Vereinigung für sie. die Habsburger Monarchie, gefallen war, da traten gerade diese katholischen österreichischen Studentenverbindungen in mehreren Kundgebungen begeistert und entschieden für den Vollzug des Anschlusses an Deutschland ein, zuletzt noch am 9, Februar. Diese Tatsache verdient aus besonderen Gründen Beachtung. Auch in Deutschland war nach dem Zusammen­bruch und dem Zerfall der Monarchien der erste Lichtgedanke die Vereinigung der Deutschen Österreichs mit Deutschland. Man las und hörte mit Freuden von den Anschlußbestrebungen in Osterreich, man vernahm mit Interesse, als sich in Deutschland eine Regierung gebildet hatte, daß diese Regierung den Anschluß Österreichs wünsche, daß Beratungen mit dem österreichischen Gesandten in Berlin, mit der SpezialMission Dr. Bauer in Weimar stattfänden, und daß schließlich die Nationalversammlung in Weimar schon beim Verfassungsentwurf den Anschluß Österreichs an Deulschland beschlußmäßig festlegen werde. .

Und doch! sie konnten zusammen nicht kommen. . . Warum nicht? Welches sind die Ursachen dafür, daß der Anschluß nicht zustande kam? Darüber kann man heute offen reden, ohne daß das Vaterland und die Anschlußidee darunter leiden. Im Gegenteil, der Anschlußgedanke muß mit allen Mitteln lebendig erhalten und möglichst bald verwirklicht werden, sonst geht uns ein herrlicher Teil deutschen Vvltstums und deutscher Lüuder für alle Zeilen verloren. Die bisherigen Hemmungen persönlicher und sachlicher Natur muß man klar erkennen. Nur dann kann man sie ausschalten und bekämpfen.

Der erste und schwerste Vorwurf wegen des Scheiterns der Anschlußabsichten Österreichs muß gegen die deutsche Regierung und Nationalversammlung erhoben werden. Der Anschluß gelang, wenn man ihn ernstlich wollte, am sichersten und schnellsten dadurch, daß man ihn unbekümmert um Einzelfragen einfach sofort nach der Revolution verwirklichte, die politischen und wirtschaftlichen Schranken aufhob, , die Österreicher zur deutschen Nationalversammlung mitwählen und Abgeordnete entsenden ließ, gewisse Neichsümter mit Aufgaben für Deutschland und Österreich zugleich betraute, kurz als Einheitsreich regierte und in den politischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Handlungen austrat. Die Fragen der inneren Einrichtung dieses Erweiterungsbaues hätte man dann erst im Laufe des Jahres erledigen können: Zoll-, Finanz-, Tarif-, Ernährungs-, Valuta-Fragen