Contribution 
Die Wiederpolitisierung der deutschen Burschenschaften
Page
108
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

103

Schwarzrotgold

Eingedenk dieser Geschichte" ist die Burschenschaft ins politische Leben wieder eingetreten. Die Wege im einzelnen zu finden, liegt ihr ob. Es wird dazu einer erfahrenen und ruhigen Leitung der frischen Kraft bedürfen. Wir begrüßen ihren Beschluß, der in der Zeit tiefster nationaler Not gefaßt wurde und sehen darin den Anfang zur Wiederanteilnahme der Akademikerschaft an der Politik, die sie im Bismarckschen Deutschland sehr zum beiderseitigen Schaden arg vernach­lässigt hat.

Die politischen Parteien der Gegenwart werden von der vorstehend skizzierten Art der studentischen Politisierung zwar, wie zu befürchten ist, nicht restlos" befriedigt sein. Eine parteipolitische Kerntruppe wird auf diese Weise allerdings nicht geschaffen. Aber vielleicht wird so für eine neue Art inner- und außenpolitischer Gesinnung im deutschen Volke der Grundstein gelegt. Es wäre für unser Volk, dessen innere Uneinigkeit durch den Streit um die Revolution um eine neue Glaubensspaltung vermehrt zu werden droht, eine befreiende Tat, wenn die von der Burschenschaft eingedenk ihrer an politischer Weitsicht so reichen Ge­schichte wieder angebahnte Politisierung der deutschen Studentenschaft diese neue Staatsgesinnung anbahnen könnte.

MW i/

Hchwarzrotgold

von Professor Dr. Robert Sieger

n dem lehrreichen und vornehmen Aussatz von Karl Hossmann in denGrenzboten" Nr. 26 vermisse ich eine Würdigung der Bedeutung, die Schwarzrotgold für die Deutschen außerhalb des Reiches, ins­besondere in Osterreich, feit 1866 und 1870 annahm und die es heute für sie hat. Ich habe mich darüber während des Krieges in der 166. Dürerbund-Flugschrift in einem Aussatze, dessen Titel die drei Farben bilden, eingehend ausgesprochen, muß aber hier auch der seitherigen Entwicklung gedenken.

Bis zur Entstehung der schwarzweißroten Neichsfarben hatte Schwarzrotgold auch bei uns die Doppelbedemung der nationalen und der republikanischen oder demokratischen Farben. Von da ab aber kam immer ausgesprochener die nationale Bedeutung zur Alleinherrschaft. Lag doch in ihr der Gegensatz zum Schwarz- wcißrot. In dem Maße, als der republikanische Gedanke verblaßte, und in dem Maße, als die bürgerlichen demokratischen Parteien verschwanden, oder jene, die sich noch so nannten, in dein verschärften Gegensatz zwischen liberaler, international angehauchter und ausgesprochen nationaler Weltanschauung sich auf die eine oder andere Seite schlagen mußten, in dem Maße endlich, als die Vertretung republikanischer Ideen auf die internationale Svzialdemokratie überging und damit ihre Bannerfarbe in deren Rot fand, mußten die schwarzrot­goldenen Abzeichen immer ausgesprochener die großdeutschen werden. Und zwar großdeutsch im Sinne der kulturellen, nicht der politischen Nation. Wer mit Schönerer die Vereinigung Deutschösterreichs mit dem Deutschen Reich unter der Herrschaft der Hohenzollern als unmittelbares politisches Ziel anstrebte, für den konnten, ja mußten die neuen Neichsfarben der geeignetere Ausdruck seiner Gesinnung werden. In diesem Sinne hat man Wohl vonSchwarzweißroten" im Gegensatz zuSchwarzrotgoldene:!" gesprochen und gegenüber kurzsichtigen behördlichen und polizeilichen Beanstandungen immer nachdrücklicher betont, daß der alte Dreifarb eine nationale, nicht aber eine staatsrechtlich-polilische Bedeutung habe, daß Schwarzrotgold mit Schwarzgelb nicht unvereinbar sei. So wie bei