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Die Wiederpolitisierung der deutschen Burschenschaften
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Vie lviederpolilisierung der deutschen Burschenschaften

Die Mederxolitisierung der deutschen Burschenschaften

von Dr. Herbert d'GIeirc

ie deutschen Burschenschaften haben in einer Berliner Tagung Anfang Januar beschlossen,eingedenk ihrer Geschichte" wieder ins politische Leben einzutreten. Dieser Beschluß, der seinerzeit in der Presse eine für akademische Vorgänge verhältnismäßig starke Beachtung gefunden hat, kann auf den Grad und die Bedeutung der Anteilnahme unserer jungen Akademikerschaft am politischen Neuaufbau unter Umständen bestimmenden Einfluß gewinnen. Alle, welche diese Anteilnahme in ihrer Bedeutung für Deutschlands Zukunft nicht gering einschätzen, werden daher Stellung zu ihm zu nehmen haben.

Das politische Bild, welches die deutsche Studentenschaft dem Beschauer darbietet, ist nicht einheitlich. ES gibt nur wenige ausgesprochen politische Gruppen, wie den Kyffhäuseroerband der Vereine deutscher Studenten und die neuen sozialistischen Vereinigungen. Das hat seinen Grund in der alten Tradition der deutschen Universitäten, welche den Studenten als lernenden, noch nicht fertigen Menschen auffaßt nnd seine tätige Anteilnahme am politischen Geschehen für die Zeit nach dem Studium zurückstellt. Auf dem jetzt so viel berufenen Wartburgfest im Jahre 1817 sagte der Hofrat Oken zu den Burschenschaftern: Ihr habt nicht zu bereden, was im Staate geschehen soll: nur das geziemt Ench zn überlegen, wie Ihr einst im Staate handeln sollt und wie Ihr Euch dazu würdig vorbereitet. Kurz alles, was Ihr tut, müßt Ihr bloß in bezug aus Euch, auf das Sludentenwejen tun und alles andere als Eurer Beschäftigung, als Eurem Wesen fremd, ausschließen, auf daß Euer Beginnen nicht lächerlich werde."

Ist diese Tradition gut oder soll man jetzt davon abgehen? Schon während der vormärzlichen Verfolgungen der Burschenschaft hat die Frage, ob man am politischen Leben als Student schon tätig teilnehmen oder sich lediglich auf die spätere Betätigung vorbereiten solle, zu scharfen Auseinander­setzungen in ihr geführt. Wenn heute dieselbe Frage wieder zu lösen ist, so muß sie in" drei Unterfragen aufgelöst werden: soll der einzelne Student politisch tätig sein? Soll es die Korporation beziehungsweise der Verein, dem er angehört? Soll es der Gesamtverband, den die Korporationen oder Vereine bilden?

Was Oten sagt, ist für die einzelne Korporation unzweifelhaft richtig. Denn wenn heute ein Verein von Studierenden zu politischen Tagesfragen Stellung nehmen will, so wird er sich unweigerlich irgendeiner politischen Partei verschreibe». Die Entwicklung in Deutschland drängt ja leider dahin, daß jeder Jugendliche schon, wenn er noch gar nicht ins Leben hineingeschaut hat, partei­politische Scheuklappen trügt und unter politischer Bildung seine Fähigkeit, jederzeit eine Apologetikseiner" Partei geben zu können, versteht. Je schwieriger die politischen Probleme in unserer Zeit der Weltwirtschaft werden und je weniger die offiziellen Parteiprogramme diese Probleme zu meistern wissen, um so gefähr­licher ist dieS. Die Vergiftung unseres innerpolitischen Lebens durch die jämmer­liche Schlagwortgläubigkeit der Wühler und den demagogischen Ehrgeiz der Partei- geschäftsführer ninniN auf diese Weise in erschreckender Weise zu. Wer wünscht, daß die akademische Schicht ihrem wahren Beruf, durch selbständiges und kritisches Denken Gewißheit zu erringen und nach den Quellen der Erkenntnis zn suchen, treu bleibt, der kann ihre, frühe parteipolitische Bindung nicht billigen, ebenso­wenig wie es der wahre Vaterlandsfreund kann, der die parteiliche Selbft- zerfleischung unseres Volkes beklagt. Anders dagegen ist die erste Frage zu beantworten: beim Einzelstudenten wird sich die Hinneigung zu einer politischen Partei schon deshalb nicht mehr vermeiden lassen, weil man die Zwanzigjährigen für reif erklärt hat, mit dem Stimmzettel über die Art, wie der Staat zu regieren sei, mitzuentscheiden.