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Vom Partikularismus zum Einheitsstaat
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vom Partikularismus zum Einheitsstaat

Vom Partikularismus zum Einheitsstaat

Von Vr. Manfred Gimer

ist klar, daß der Partikularismus nichtsecht Deutsches" ist, nur ein bei uns noch nicht überwundener, freilich durch Alter verknöcherter Urzustand, den alle größere» Kulturvölker aber übernnmden haben. Er ist ein Zustaud Unkultur, gekennzeichnet durch Feindseligkeit gegen deu Lands-- von anderer Mundart usw. Er ib ein Zustand liefsteyender politischer Intelligenz, vielfach das Kennzeichen desblinden Hödur", der unpolitisch politisierenden Masse. Endlich ist er eiu Erziehungsprodukt, eine Einflußwirknng, seitens der Regierungen und ihrer Organe, nicht zuletzt auch der neu ans Nuder gekommenenroten Fürsten", die, entgegen dem Programm der Sozialdemokratie, zäh an ihrem Regententum festhallen, ja, wie das jüngst bei dem württembergischen Kriegsminister in Bezug auf das Reichsheer der Fall war, eifrig gegen die Ein-- heitsströmung intrigierenl

Aber es zeigt sich, daß wir doch auf dem Wege sind, uns aus diesem Urzustand selbst zu befreien, vielfach allerdings nicht aus deutschem Gemeinsinn, sondern aus wirtschaftlichen Notwendigkeiten heraus, welche durch die neuen Ver­kehrsbedingungen und neuen wirtschaftlichen Ziele geschaffen werden. Man strebt nach größeren Verbänden; die bestehenden, oft so künstlichen und hemmenden Kleingrenzen haben an Wert im letzten halben Jahre ebensoviel eingebüßt, wie sie durch die Lebensmittelsperren im Kriege leider gewonnen hatten.

Aber es wäre doch unrichtig, den Dingen einfach den Lauf zu lassen. Diejenigen, welche die Beseitigung der Einzelstaaten und ihrer etwa hundert Minister wünschen, müssen sich Ziele setzen.

Zunächst fragt es sich, wie der Kampf gegen den Sondertrotz und die innere politische Trennung aufgenommen werden kann. Es mögen ja hier und dort unter den taufenden von Vereinen auch Unitariervereine bestehen. Hervortreten tun sie nirgends in beachtenswerter Weise. Gerade hier aber wäre wahrlich eine Verbandsgründung eine deutsche Notwendigkeit nud eine TatI Man möchte dabei an den Alldeutschen Verband denken, dessen außerdeutsche Ziele erledigt sind» dessen Wirksamkeit aber zu Ende des vorigen Jahrhunderts gerade z. B. in Württemberg darin bestand, der preußenfeindlichen Stimmung durch Pflege des Neichsbewusztseins zu begegnen und so den deutschen Gedanken zu fördern. Aber der Alldeutsche Verband, der nebeu der ja nicht ausbleibenden Pflege der Jrredenta sehr wohl den Kampf gegen den Partikularismus zum Prinzip erheben könnte, ist zu stark mit dem preußischen Konservativismus, der selbst partitularistisch ist, verbunden worden, als daß die Aussichten günstig wären; auch steht er denjenigen Teilen der Demokratie von der Sozicilvemokratis zu schweigen! welche unitarisch gerichtet ist, zu fern, als daß man hoffen dürfte, daß die Alldeutschen allein für sich diejenigen sein könnten, welche dies Ziel verfolgen sollten. Es müßte ein Verband begründet werden, iu welchem die Herbeiführung des Ein­heitsstaates das einzige Prinzip wäre, und wo auch die Frage: ob Kaisertum, ob Freistaat keine maßgebende Rolle spielen dürfte.

Dieser Verband der Einheitsfreunde würde sich zunächst damit zu befassen haben, was auf gesetzlichem Wege vor allem noch zu beseitigen wäre, um dem Endziel näher zu kommen. Dieses selbst wäre der andere Zielpunkt; und das ist die Beseitigung des eben jetzt, nnter Einwirkung der Einzelstaaten, neu begründeten Vielländerunwesens, die Schaffung des Einheitsstaates. Was das erste, die Bekämpfung noch vorhandener Sondertümeleien, betrifft, so handelt es sich dabei zunächst um eine Äußerlichkeit, die, wie es scheint, in der neuen Verfassung aber­mals als nebensächlich beiseite gelassen wurde, dies aber durchaus nicht ist. Geradeso wie die bayerischen Marken der Ausdruck besonderen Eigensinns waren und als solcher sehr richtig im Ausland gewertet wurden, geradeso ist es ein