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Das Ziel der Verfassungsarbeit
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Das Ziel der Verfassungsarbeit

von Dr. von Szczepanski

ie durch den Umsturz vom November 1918 herbeigeführte Not- wendigkeit eines Umbaues unserer Neichsverfassung stand von Anbeginn unter dem Zeichen einer doppelten Schwierigkeit: der logischen Gegebenheit, dasz das Reich organisch zum Einheitsstaat sich entwickle, setzte sich der populäre Partikularismus entgegen, und ^ zum Prinzip der Demokratie stand die historisch gegebene Hegemonie Preußens im Widerspruch. Der erste Verfassungsentwurf des Staatssekretärs Preusz suchte für dieses zweite Problem Abhilfe in einer Zerschlagung jenes Staatswesens, der aber auch gerade die süddeutschen Regierungen sich widersetzten, wohl weil sie ein ähnliches Schicksal für einzelne der von ihnen vertretenen Land­schaften fürchteten. Die Denkschrift des Stc-tssekretärs ging bekanntlich von der Behauptung aus, das; die deutschen Einzelstaaten samt und sonders lediglich Zufallsbildungen rein dynastischer Hauspolitik seien; eine andere Auffassung halte vor der geschichtlichen Prüfung nicht stand. Demgegenüber muß aber gerade unter den heutigen Zeitverhültnissen betont werden, daß jene Theorie wohl für die süddeutschen Staatengebilde von Napoleons des Ersten Gnaden zutreffen mag, nicht aber in auch nur ähnlichem Maße auf die Vormacht im Reiche, auf Preußen. Das lehrt jeder kurze Überblick auf den geschichtlichen Sinn im politischen Wachs­tum dieses Staates.

Zweimal setzte im Laufe des Mittelalters der koloniale Zug nach dem Osten ein. Die erste dieser Bewegungen und mit ihr die zugleich umfassendste Besied­lung der damals slawischen Gebiete östlich der Elbe fand im zwölften Jahrhundert statt und dehnte sich auch weit am Oderlauf aus. Ihr lag, wie Otto Hintze in seinem Geschichtswerk zum fünfhundertjährigen Jubelfest der Hohenzollernherrschaft ausgeführt hat, in der Hauptsache der gesunde natürliche Ausdehnungstrieb einer kräftigen Rasse zugrunde, für die der Nahrungsraum im alten Mutterlande zu eng geworden war. Sie kam hauptsächlich aus dem deutschen Nordwesten; Hand in Hand mit ihr gingen die priesterltchen Interessen der Heidenbekehrung, und fürstliche Interessen man erinnere sich an den Grafen von Schauenburg haben bei ihr die Führung gehabt. Auf diesem kolonialen Boden erwuchs auch der brandenburgisch-preußische Staat, in dessen Marken zu Anfang des fünf­zehnten Jahrhunderts die Hohenzollern als Herren ihren Einzug hielten.

Die andere Bewegung war ein Ausläufer der Kreuzzüge; sie beginnt im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts, richtet sich auf Siebenbürgen sowie aus das Weichselland, von hier aus weithingreifend bis nach Litauen und dem baltischen

Grenzboten III 1919 v