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Kein Land hat eine so folgerichtige und gradlinige Politik betrieben und Jahrzehnte hindurch beibehalten wie die dritte französische Republik. Der Nevcmche- gedanke und die Sehnsucht nach Rückeroberung der alten europäischen Vormacht­stellung auf Kosten Deutschlands sind die Angelpunkte der Weltpolitik gewesen, um die sich Vündnispolitik, Imperialismus und die Hoffnung auf Elsaß-Lothringen gedreht haben. Das ganze öffentliche Leben gelangte allmählich unter den Druck des Rcichegedauken, seitdem mit dem Jahre 19(15 der französische Traum iin Verein mit England lebendige Wirklichkeit zu werden versprach, seit dem Augenblick, in dem Delcasse das WortBündnis" in den Mund nahm. Eine Suggestion ging, von dem Wort aus, der zunächst nur beteiligte Politiker, nach und nach aber ganze Bevölkerungsschichien erlagen. Von diesemneuen Geist" wurde auch ein großer Teil der französischen Lehrerschaft ergriffen, bearbeitet allerdings von ihren vorgesetzten Behörden, hauptsächlich von Raymond Poincarö. Professor Dr. Rühlmann, der mehrmals zum Studium des französischen Schulwesens in Frank­reich gereist ist, hat in seinem BucheDie französische Schule und der Welt­krieg" (Leipzig 1918, Quellsund Meyer) die politische Umschaltung der Lehrerschaft dargestellt und an vielen Beispielen erläutert. Wir sehen hier, wie der Revanche- gedanke in alle Unterrichtsfächer dringt, zum Leitmotiv des französischen Schul­wesens und zur politischen Religion einer werdenden Generation gemacht wird. Wir erkennen in dem staatlichen "Unterricht eine Schule des Hasses und eine Er­ziehung zum fanatischen Vaterlandskult. Unter Duldung und Förderung der Staatsleitung ist die französische Volksseele planmäßig vergiftet worden. Man wird nach dieser Lektüre den leidenschaftlichen Haß, der den Kriegszustand über­dauert, und die Steinwürfe von Versailles besser verstehen können. Für Jahr­zehnte ist auf ein erträgliches Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland nicht zu hoffen. Dr. Fritz Roepke

Ludendorff (General der Infanterie), Französische Fälschung meiner Denkschrift von 1912 über de» drohenden Krieg. Ein Beitrag zur 5,Schuld" am Kriege. E. S. Mittler u. Sohn Verlagsbuchhandlung. Berlin 1919. Preis 1 M.

Die Gewissenlosigkeit der französischen Politik zeigt sich wieder einmal in einer Fälschung, die kein anderer als Ludendorff selbst in der vorliegenden Schrift als solche zu entlarvcn unternimmt. Das französische Gelbbuch enthält eine Denk­schrift vom 19. März 1913 über die deutsche Heeresverstärkung, die einen aggressiven Geist atmet und von Ludendorff herrühren soll. Wenn dort vomgereizten Aoler" die Rede ist. derden Feind mit seinen geschärften Krallen packen und ihn unschädlich machen wird," so muß jeder, der die Ausdrucksweise unseres Militärs der alten Schule kennt, schon Lunte riechen. Nun legt uns Ludendorff den Wortlaut einer tatsächlich von ihm verfaßten Denkschrift vom Dezember 1912, die die Grundlage für die Forderung unserer letzten Heeresverstärkung vor dem Reichs­tag gebildet hat, im Wortlaut vor. Sprachlich und inhaltlich ist sie von der französischen Veröffentlichung durchaus verschieden. In einer für unsere An-- kläger diesseits und jenseits der deutschen Grenzen recht peinlichen Weise tritt aus dieser schlichten Wiedergabe die Ungeheuerlichkeit der Lüge, daß unsere militärischen Führer zum Kriege gedrängt haben, klar zu Tage. Daß jene Vorlage nur der Abwehr dienen sollte, daß diese aber angriffsweise geführt werden müsse, ist der Leitgedanke der militärischen Erwägungen, die die Ungunst der politischen Lage Deutschlands notwendigerweise in Rechnung stellen mußten. Die Denk­weise Moltkes wird als pazifistisch gekennzeichnet und seine Bemühungen, auf Osterreich'Ungarn hemmend einzuwirken, werden ausdrücklich erwähnt.Ich zweifle nicht", sagt Ludendorff zuversichtlich, daß die Lüge, der preußische Mili­tarismus habe zum Kriege getrieben, endgültig beseitigt werden wird. So wird es allen Lügen ergehen, die über das Wirken dieses Militarismus und meiner