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Irland
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Irland

Irland

as Schema der irischen Frage ist bekannt: die große Insel im Westen Englands, von Fremdstämmigen bewohnt, mit Gewalt unter­worfen, widerstrebend gehorchend, die trotz jahrhundertelanger Be­lastung und Unterdrückung ungebrochene Kraft in bisweilen schreck­lichen Aufständen — 1641. 1798, 1803 — erweisend, immer ^ renitent und durch zahlreiche Auswanderer Haß und Mißtrauen gegen England säend, immer wieder Selbstregierung verlangend. Im Norden jedoch der protestantische Ulsterbezirk, der, die Vergewaltigung durch die katholische Vielheit fürchtend, die Negierung, die endlich Home Rule gewähren will, mit Waffengewalt und unversteckter Drohung tyrannisiert, sodaß bei Kriegsausbruch die Frage noch immer der Lösung harrte. Bekannt ist auch, daß dann Ostern 1916 der große Sinn-Feiner-Aufstand losbrach, der eine radikale und sofortige Lösung anstrebte, aber mit der ganzen schonungslosen und brutalen Gewalttätigkeit, die dem Engländer in solchen Fällen eigen ist, niedergeschlagen wurde.

Aber gerade die Wildheit und Grausamkeit, mit der dies geschah, wurde der englischen Sache verhängnisvoll. Man weiß, daß nichts schwieriger ist, als die einmal losgelassene Energie von mit Niederschlägung von Aufständen betrauten Verantwortlichen militärischen Führern strikt innerhalb der von (in solchen Fällen meist sehr schwer zu beurteilenden) Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit gezogenen Schranken zu halten, auch beim besten Willen ist es ganz unvermeidlich, daß Übereifer untergeordneter Stellen oder verbiesterte Angst der Truppe jenes Matz aus den Augen verlieren. Der Sinn-Feiner-Aufstand war zunächst in Irland, das tüchtig am Kriege zu verdienen im Begriff war, unbeliebt. Infolge der Hinrichtungen und strengen Maßregeln Sir John Maxwells jedoch vollzog sich ein Umschwung, sodaß sich die Regierung, die Ruhe brauchte, schließlich nicht anders zu helfen wußte als Ende April 1917 eine Versammlung von 94 Iren- Vertretern nach Dublin zu berufen, die über die Zukunft Irlands beraten und der Regierung geeignete Vorschläge machen sollten. Aber diese Maßregel, die vor dem Kriege noch heilsam hätte sein können, kam jetzt zu spät. Die Verhandlungen waren langwierig und akademisch, größtenteils hatten die Vertreter keine Voll­machten und mußten jeden vorgebrachten Vorschlag erst mit ihren Auftraggebern beraten, andere mußten sich zwischendurch um ihre persönlichen Geschäfte kümmern, Anträge wurden eingebracht und beraten, Gegenanträge gedruckt und verteilt, Kompromißantrüge erregten Debatten, aber es war unmöglich zu rechten Beschlüssen zu kommen, da die Teilnehmer, größtenteils konservativ gesinnte alte Nationalisten, wohl spürten, daß sie seit 1914'infolge zunehmender Radikalisierung der Öffent­lichkeit den Boden unter den Füßen verloren hatten. Diese zunehmende Ra­dikalisierung nebst der daraus entspringenden Unsicherheit der Vertreter waren auch der Grund, weshalb greisbare Resultate schließlich überhaupt nicht erlangt wurden, wären die alten Parteien der Südunionisten, der Nationalisten und der Arbeiter einig gewesen, so hätten sich schließlich die Ulster- und Nordunionisten schon aus patriotischen Gründen einer Beseitigung der Schwierigkeiten durch irgendeinen festen Schluß nicht entziehen können, so aber waren, als die Versammlung sich im April 1918 auflöste, praktische Vorschläge nicht möglich, und vielleicht war es gerade das, was die Regierung gewünscht hatte.

In ein neues Stadium trat dann die irische Frage, als am 21. Januar 1919 in Dublin die „Dail Eireann", die ans 73 bei den Dezemberwahlen in Irland gewählten irischen Republikanern zusammengesetzte irische Nationalversammlung zusammentrat und folgende Proklamation erließ:

„Wir Vertreter des irischen Volkes bestätigen in Anbetracht, daß das irische Volk von rechtswegen ein freies Volk ist, daß es seit sieben Jahrhunderten nie aufgehört die Fremdherrschaft zu bekämpfen und sie mehrere Male mit den Waffen geschlagen hat, daß die englische Regierung in diesem Land heute wie stets in der Vergangenheit sich auf Gewalt stützt und sich durch militärische Besatzung hält im