China und Japan
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(Lhina und Japan
aß die Vertreter Chinas sich anfänglich geweigert haben, den Friedensvertrag mit Deutschland zu unterzeichnen, ist in der ersten Siegesfreude, die übrigens, wenn man zwischen den Zeilen liest, selbst in Paris durchaus nicht den Grad allgemeiner Begeisterung erreicht zu haben scheint, den die Jubelfanfaren der Pariser Blätter vormuten lassen wollen, in Frankreich und auch in England von: großen Publikum nahezu gänzlich übersehen worden. Begreiflicherweise, denn dein gewöhnlichen Sterblichen ist die seit dem russisch-japanischen Krieg allgemein notwendig gewordene Fähigkeit, Politik in Weltteilen zu denken, noch immer nicht in Fleisch und Blut übergegangen, noch immer sieht er, wenn er nicht gerade eigene bedeutende llber- seeinteressen hat, Politik nur innerhalb der Grenzen Europas und des Mittelmeeres und für chn haben besonders China und Japan, noch immer etwas von der Märchen- und Fabelatmosphäre, die sie im 17. und 18. Jahrhundert hatten. Anders in Amerika, wo Wilsons Entscheidung in der Schantungsrage beträchtliche Verstimmung hervorgerufen hat.
Wenn den Zankapfel der europäischen Großmächte Konstantinopel bildet, so kann man Chinas Ostküste den Zankapfel der Weltmächte nennen. Drei große Gegnergrnppen lassen sich in dem Intrigenspiel Ostasiens unterscheiden: China, Japan und die übrigen Weltmächte, in erster Linie also England, verstärkt durch Australien und dem von chinesischer Einwanderung bedrohten Canada, und Amerika. Das Charakteristische an diesen Mächtegruppen ist nun dies, daß sie nicht scharf voneinander geschieden sind, sondern die eine immer mit wesentlichen Faktoren der zweiten manchmal auch der dritten selber gegen die dritte angeht. Denn China, das sich sowohl gegen den Erbfeind Japan wie gegen die Weißen zu wehren entschlossen ist, kann seine militärische uud zivilisatorische Ohnmacht nur dadurch einigermaßen ausgleichen, daß es die beiden Gegnergruppen gegen- eincmderhetzt und sich von Japan gegen England, von England und namentlich Amerika gegen Japan helfen läßt. Japan aber, das von dem durch die Weiße Rasse erzwungenen Grundsatz der offenen Tür eifrigen Gebrauch gemacht hat. hat einerseits zwar ein Interesse daran, daß die Weißen bei der Knebelung des Nachbarkvlosses nach Kräften mithelfen, wünscht jedoch andererseits nicht, daß sie so viel Macht in China gewinnen, um das Ideal seiner großzügigen aber schweigsamen Imperialisten, einst als Vorkämpfer der gelben Rasse, als unbestrittene Herren des gesamten Ostasiens da zu stehen, unerreichbar machen. Die Helfer sind für Japan immer noch Weiße, die Gegner und Besiegten immer noch Gelbe. Die europäischen Mächte und Amerika jedoch wünschen einerseits das Prinzip der offenen Tür aufrecht zu erhalten, andererseits Japans Macht, die sich besonders während des Krieges in bedrohlicher Weise gemehrt hat, in China nicht zu stark werden zu lassen, um eine Beeinträchtigung des eigenen Einflusses und damit auch des eigenen Handels zu verhüten. Es 'ist also ein Krieg zu dreien, in welchem immer zwei gegen den dritten stehen, insgeheim aber auch sich untereinander befehden. Hinzu kommt, daß China nach der Revolution noch immer nicht zur Ruhe gekommen ist, daß insbesondere der noch stets wirksame Gegensatz zwischen dem kriegerischen Norden und dem parlamentarischen Süden fortbesteht und infolge der durch den Parlamentarismus hervorgerufenen Unbeständigkeit aller Regierungsstellen fremden Jntrigen fortwährend bequeme Angriffspunkte bietet.
An der Hand dieses Situationsplanes wird es leichter fallen sich auf dem diplomatischen Kampffeldo, das China augenblicklich bildet, zurechtzufinden und die im folgenden angeführten Daten richtig zu bewerten.
Da der Weltkrieg ein englischer Krieg wurde, war es jeden: Deutschen ohne weiteres klar, daß die deutschen Kolonien einschließlich Kiautschaus über kurz oder lang zunächst verloren gehen mußten. Nun aber war man in England anfänglich keineswegs gewillt, Kmutschau und Schantung einfach in japanische Hände fallen
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