Geistige Westfront und deutsche Jugend
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die ganze Union verbreiteten Verschwörung zu einem sofortigen Ausstände behufs Vernichtung der Negierung mit einem einzigen gewaltigen Schlage. Augenscheinlich sollte die Revolution Anfang Juli stattfinden, obwohl Palmer dies nicht zugeben wollte. . . . Beschlagnahmte Dokumente beweisen, daß die russischen Roten mit mehreren sozialistischen Organisationen in lebhaften Verhandlungen stehen, um eine Revolution zustande zu bringen." („Dail^ LnroniLle", 20. Juni.)
„Die Stadt New Aork befand sich am Abend des 19, Juni theoretisch im Belagerungszustand. . . . Wahrscheinlich werden große ,rote° Demonstrationen im ganzen Lande am 4. Juli, deut Uuahhängigkeitstage, stattfinden. Man glaubt, daß dieser Tag von den Terroristen für eine Revolte ausgewählt wurde." („Osil^ IZxpress", 21. Juni.)
Ähnliche Meldungen liegen aus den mannigfachsten anderen Ländern vor. Der äußere Krieg ist für die Großmächte zu Ende, Überall aber scheint er durch einen inneren sozialen Krieg abgelöst zu werden, wie er in Nußland und Deutschland bereits im Gange ist und zugleich mit der Demobilisierung immer weiter um sich fressen wird.
Geistige Westfront und deutsche Jugend
von Dr. Max Hildebert Boehm
as Schmählichste in diesem Kriege, für das es keilte Entschuldigung mit den üblichen mechanistischen ÄuSwägungen der Machtverhnltnisse gibt, ist der geistige Sieg des Westens über das offizielle Deutschland. Die preußischen Energien in uns erlahmten, der Süden und Westen Deutschlands drängte sich in die Politik: das lachhafte Ergebnis war die Übernahme des Parlamentarismus der westlichen Formaloemotratie im Sommer 1918. Das offizielle Deutschland kapitulierte geistig, ehe es politisch und militärisch kapitulierte. Wilson mußte triumphiert haben, damit Foch seine billigen Lorbeeren einstreichen konnte. Unser Jnter- Nationalliberalismus aber, unser Westlcrtum strahlte: die glorreiche Ärci Scheidemann- Erzberger war angebrochen.
Der geistige Sieg des Westens war sicher zum großen Teil der geschickten Einstellung der ententistischen Propaganda auf die spezifisch deutschen Vorurteile, auf die Auslandsseligkeit, die geistige Wurzellosigkeit. das Selbstmißtrauen, die Nückständigkeit unserer liberalen Bourgeoisie zu danken. Aber die Ideen von 1789, für die die westliche Weltzivilisation angeblich in den Kreuzzug gegen die preußisch-deutschen Barbaren gezogen war, hatten schon von je ihre Vorkämpfer bei uns im eigenen Lager. Unsere westlerische Presse, voran das Berliner Tageblatt und die Frankfurter Zeitung, hatten seit Jahrzehnten den Boden für die Saat des Versuchers im Westen umgepflügt, die nunmehr in einem Krieg zur Reife kommen sollte, in dem dasselbe Volk, das sich geistig so schwach erwies, eine physische Kraft sondergleichen an seine Selbsterhaltung wandte. Der Typus des liberalen Politikers, der als Journalist uud Parteimann wcstlerischo Propaganda bei uns trieb, ist uns seit Jahrzehnten vertraut. Neu aber war ein Element der inneren Zersetzung unseres Volkstumes, das in den letzten zehn, zwanzig Jahren aufgekommen war und nicht aus der politischen Praxis heraus, sondern von außen her, aus der Literatur, das Flankenfeuer auf unsern weltpolitischen Vormarsch eröffnete. Für diesen Typus hat Thomas Mann in seinen „Betrachtungen eines Unpolitischen" (S. Fischer Verlag, Berlin 1918) die Bezeichnung „Zivilisations- litercit" geprägt. Und dieses Buch, das eine wahre Fundgrube wesenhafter
Grenzbvten III 191»
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